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Ein Schwarzer als US-Präsident?

Die Ikone Barack Obama, wie ihn der Künstler Shepard Fairey sieht und für Wahlkampfposter porträtiert hat.
(c) FAIREY
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Mit Barack Obama kandidiert erstmals ein Afroamerikaner für das Präsidentenamt. Seine Hautfarbe könnte in der Abgeschiedenheit der Wahlzelle zu einem Problem werden.

Man kann die historische Bedeutung des Vorwahlsieges von Barack Obama nicht genug betonen: Vor nicht einmal 150 Jahren wurden Schwarze in den USA noch als Sklaven gehalten, kaum besser als Vieh. Jetzt nominiert die demokratische Partei mit Obama erstmals einen Afroamerikaner für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Der Sieg des Sohnes eines Einwanderers aus Kenia und einer weißen Mutter aus Kansas ist nicht nur wegen seiner Hautfarbe bemerkenswert, sondern auch wegen seiner Gegner.

Der 46-Jährige trat erst vor vier Jahren auf die nationale politische Bühne, trotzdem gewann er die demokratischen Vorwahlen gegen zwei politische Schwergewichte: Hillary Clinton, seit acht Jahren US-Senatorin, und gegen ihren Ehemann Bill Clinton, 42. Präsident der Vereinigten Staaten und einer der charismatischsten, talentiertesten Politiker. Noch vor einem Jahr hatte niemand diesem „dünnen Typ mit dem komischen Namen“ (Obama über Obama) eine Chance gegen die haushohe Favoritin gegeben.

„Heute beenden wir eine historische Reise und beginnen eine andere, an deren Ende ein neues Amerika steht“, rief Obama in der Nacht auf Mittwoch seinen Anhängern zu. Seine Siegesfeier hielt er symbolträchtig in jener Halle in St. Paul (Minnesota), in der die Republikaner im September John McCain zum Präsidentschaftskandidaten nominieren werden.

Es ist eines der großen Talente Obamas, dass ihm die Menschen diese Botschaft glauben. Mit dem Ruf nach „Wechsel“ und dem Schlagwort „Hoffnung“ setzte er sich gegen Clinton durch, die auf ihre politische Erfahrung setzte. Welches Programm hinter den Schlagworten steht, ist aber kaum jemandem bekannt.


Enttäuschte Clinton-Fans

Doch auf Obama projizieren die US-Bürger ihren Wunsch nach einem besseren Amerika. Er verkörpert Optimismus wie einst John F. Kennedy, mit dem man ihn oft vergleicht. Der Afroamerikaner konnte als Polit-Neuling glaubhaft einen Neuanfang versprechen, während Clinton mit ihrer Kampagne stets auf die Vergangenheit setzte, etwa auf die Erfolge ihres Ehemannes als Präsident.

Die große Frage bei Obamas Kandidatur ist, ob seine Hautfarbe in der Abgeschiedenheit der Wahlzelle im November einen Ausschlag geben wird. Gerade mit der weißen Arbeiterklasse hat er Probleme, das zeigte sich bei seinen Niederlagen in Pennsylvania und West-Virginia. In Umfragen führt er zwar vor McCain, doch die Verlässlichkeit bezweifeln Meinungsforscher, weil niemand offen sagen will, dass er nicht für einen Schwarzen stimmen würde.

Kritisch wird für Barack Obama auch sein, die enttäuschten Hillary-Clinton-Anhänger zu überzeugen. Fast 30 Prozent von ihnen sagten, sie würden eher für den Republikaner McCain stimmen, sollte Obama die Nominierung gewinnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2008)