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Burgtheater: Alles spricht für Karin Bergmann

Karin Bergmann
(c) Die Presse - Clemens Fabry
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Kulturminister Ostermayer hört das Ensemble und wählt wohl Sicherheit.

Zu Claus Peymanns Zeiten wären Burgschauspieler bei Ministern mit Forderungen abgeblitzt. Heute ist das anders. Kulturminister Ostermayer spricht immer wieder auch mit Ensemble-Vertretern.

Im Haus gibt es nur einen Wunsch: Die interimistische Direktorin Karin Bergmann möge auch die künftige Burg-Chefin sein. Kommenden Dienstag gibt Ostermayer seine Entscheidung bekannt.

Alles spricht für Bergmann. Warum? Sie kennt das Haus und weiß, welche Gefahren der Burg drohen, wenn sie weiter in Misskredit gerät. Das Sanierungspaket hat Bergmann akzeptiert und setzt es um. Sie gilt als klug, zäh und durchsetzungskräftig. Den Vertrag mit ihr gibt es bereits, er ist kostengünstig. Sie hatte wichtige Fürsprecher, Hermann Beil, der in der Findungskommission ist, vielleicht Rudolf Scholten oder sogar Peymann selbst.

Ein weiterer Punkt für Bergmann: Sie will den Job machen, das hat sie klar signalisiert, obwohl sie sich nicht bewerben wollte. Andere Kandidaten, speziell prominente, hätten finanzielle Zusagen verlangt, die aber in der jetzigen Krise politisch kaum durchzubringen sind. Michael Thalheimer ist ein wichtiger Regisseur, Wilfried Schulz ein erfahrener Theatermann, Intendant in Dresden, aber Bergmann ist die erste Frau in der langen Geschichte der Burg. Das macht sich gut.

Bleibt nur die Frage, wie Ostermayer erklären wird, warum er ein so aufwendiges Such-Verfahren mit Ausschreibung, Findungskommission, Gesprächen mit vielen Kandidaten, Fachleuten veranstaltet hat, um dann auf das Naheliegende zu kommen. Immerhin, die Ausschreibung ist gesetzlich vorgeschrieben. Ein Risiko bleibt Ostermayer: In den anhängigen Prozessen rund um die Burg, die sich noch lange hinziehen dürften, könnte auch Bergmann belastet werden.

Karin Bergmann arbeitete ab 1983 als Pressereferentin für Niels-Peter Rudolph, Peter Zadek sowie während der stürmischen Burg-Direktion Peymanns in Wien. 1993 wurde sie Rudi Klausnitzers Pressesprecherin bei den Vereinigten Bühnen, Nikolaus Bachler holte sie an die Volksoper, in seiner Burg-Direktion war sie Vizedirektorin. 2009/10 verließ Bergmann die Burg und kehrte 2014 als interimistische Direktorin bis 2016 zurück. bp/hec

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2014)