Weltraumforum sucht „Analogastronauten“

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt ab Freitag 03 10 2014 eine grosze Ausstellung ueber die Geschicht
Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt ab Freitag 03 10 2014 eine grosze Ausstellung ueber die Geschicht(c) imago/epd
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Wer will Astronaut werden? Das Österreichische Weltraumforum simuliert auf dem Kaunertaler Gletscher eine Marsmission. Bewerbungen sind bis 28. 11. möglich, nach dem Auswahlverfahren folgt eine eigene Ausbildung.

Der Raumanzug wiegt 45 Kilo, allein das erfordert extreme körperliche Fitness. Klaustrophobisch sollte man auch nicht sein, denn der silberne Anzug ist sehr eng und wird innen auch noch ziemlich heiß. Dafür sind Testastronauten mittendrin, wenn es um neue Erkenntnisse für die Weltraumforschung geht, und lernen bei ihrer Arbeit mitunter auch „richtige“ Astronauten kennen.

Vertreter des Österreichischen Weltraumforums (ÖWF) präsentierten am Freitag die Pläne für ihre nächste Marsmissionssimulation Amadee-15: eine zehntägige Mission auf dem Kaunertaler Gletscher in Tirol, für die nun sechs „Analogastronauten“ gesucht werden. „Wir simulieren, wie wir Forschung auf dem Mars betreiben würden“, sagt ÖWF-Obmann Gernot Grömer.

Denn auch auf dem Mars gibt es Gletscher, die für Astrobiologen auf der Suche nach Leben auf dem Planeten besonders interessant sind. Entsprechend hart sind die Bedingungen. „Die Kandidaten müssen körperlich und psychisch absolut fit sein“, so ÖWF-Vorstandsmitglied Norbert Frischauf, der selbst auch einmal Analogastronaut war. Das Testgelände liegt auf 3000 Metern Höhe, damit ist Amadee-15 die weltweit höchstgelegene Mars-Simulation.

Bewerben können sich Personen mit technischem, wissenschaftlichem oder medizinischem Hintergrund. Erfahrung als Pilot ist willkommen, Interessierte sollten jedenfalls funken können. Wichtig ist auch die Körpergröße: Personen zwischen 165 und 190 Zentimetern Größe können teilnehmen. „Sonst ist der Raumanzug zu klein oder zu groß“, sagt Grömer.

Bewerbungen sind ab sofort bis 28. November möglich. Die mehrstufige Auswahl – unter anderem mit medizinischen und psychologischen Tests – dauert bis Ende Februar, dann stehen die Kandidaten fest. Für sie folgt von März bis Juni – an Wochenenden oder auch über Fernlehre – eine mehrmonatige Ausbildung: theoretische Vorlesungen zum Mars und zur Raumfahrt stehen genauso auf dem Programm wie psychologisches und interkulturelles Training. Die Kandidaten lernen zudem für die Mission wichtige Handgriffe wie Bodenproben zu nehmen. Honorar gibt es keines, der Lohn ist dabei zu sein.

Auch Robotikfahrzeuge und Fesselballons sollen zum Einsatz kommen. Erstmals will man neue virtuelle Methoden nutzen: überall dort, wo die „echte“ Simulation auf dem Gletscher zu gefährlich oder zu aufwendig wird. Man wolle mit der Mission auch sensibilisieren, dass man irgendwann Menschen zum Mars senden werde, so die Verantwortlichen: Der erste Mensch, der den Mars betreten wird, sei bereits geboren. Und wer selbst nicht auf dem Kaunertaler Gletscher mit dabei ist, wird die Mission über soziale Medien verfolgen können.

Nähere Informationen:www.oewf.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2014)

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