Die Proteste richten sich gegen den Plan, rund 2.100 Mitarbeiter der Telekom in eine Arbeitsagentur bei der ÖIAG auszulagern. Weiters soll es Überlegungen geben, 3.000 Postler in die Arbeitsagentur abzuschieben.
"Das Wetter entspricht der allgemeinen Stimmung im Unternehmen", hieß es Donnerstagfrüh bei der Eröffnung der Betriebsversammlung der Telekom Austria (TA) im Zeichen eines möglichen Personalabbaus und der Gründung einer Arbeitsagentur in der Staatsholding ÖIAG. Unter kräftigem Applaus der rund 2.000 Telekom-Beschäftigten, die sich in der Wiener Remise eingefunden hatte, gab sich ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer kämpferisch."Wir haben tiefste Solidarität und tiefste Übereinstimmung mit den Anliegen der Belegschaft", so Hundstorfer. Es könne nicht sein, dass Menschen einfach zwischen Arbeitsagenturen hin und her geschoben werden, meinte er unter kräftigem Applaus der Telekom-Mitarbeiter. "Der ÖGB wird Euch begleiten, der ÖGB ist und bleibt die Kampforganisation des Landes. Wir sind trotz der Krise in den vergangenen Monaten voll da. Da, damit nicht Menschen entsorgt werden", so ein kämpferischer Hundstorfer.
"Kurzfristige Gläubigerinteressen"
"Ich bin auf Eurer Seite", meinte auch AK-Präsident Herbert Tumpel. 50.000 Jobs würden direkt und indirekt an der Zukunft der Telekom Austria hängen, gab er zu bedenken. "Weitere Privatisierungen brauchen wir nicht. Und wir brauchen auch keine Politik, die nur kurzfristige Gläubigerinteressen verfolgt", ergänzte er.
Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz betonte, dass die Postler voll solidarisch hinter den Beschäftigten der Telekom Austria stünden. Gemeinsam mit dem Telekom-Betriebsrat kämpfen die Postler gegen eine angedachte ÖIAG-Arbeitsagentur. Fritz fest, dass Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bereits klargestellt habe, dass es eine Auslagerung der beamteten Beschäftigen ohne Gewerkschaftszustimmung nicht geben werde.
"Beamtenhatz"
Auf Transparenten war zu lesen: "Vorstandsgehälter saniert, Mitarbeiter planiert" und "Belegschaft im Fadenkreuz". In Anspielung auf die geplante ÖIAG-Arbeitsagentur hieß es: "Arbeit statt Pool". Unter den anwesenden Telekom-Beschäftigten war die Rede von einer "Beamtenhatz"und davon, dass es dem Management nur um die Aktionäre und ihre Erfolgsprämien gehe. "Die sanieren sich auf unsere Kosten", so eine Mitarbeiterin.
Wie berichtet will die Staatsholding ÖIAG mit kräftiger Unterstützung von Telekom Austria-Chef Boris Nemsic rund 2.100 Mitarbeiter der schwächelnden Festnetzsparte in die ÖIAG auslagern. Diese Mitarbeiter sind beamtet, können also nicht gekündigt und nur bedingt versetzt werden. Weiters soll es Überlegungen geben, 3.000 Postler ebenfalls in die Arbeitsagentur abzuschieben. Die Beamten in der Agentur sollen an andere Unternehmen vermietet werden, geht das nicht, müssen sie Daumen drehen. Von der ÖVP wurde bisher Zustimmung zu der Agentur signalisiert, während sich die SPÖ klar dagegen ausspricht.
(APA)