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44 Werke für ein Museum

Karl-Heinz Essl lässt von Christie's die Filetstücke seiner Sammlung versteigern, um den Fortbestand zu sichern. Die Auswahl spiegelt den Zeitgeschmack wider.

Essl, 44 Works“ steht schlicht auf dem Hochglanzkatalog von Christie's, das die Filetstücke aus der Sammlung Essl für die Versteigerung anpreist. Am Montag geht die mit Spannung erwartete Auktion in London über die Bühne. 40 bis 60 Mio. Pfund oder umgerechnet bis zu 76 Mio. Euro soll der Verkauf einspielen. Damit findet die umstrittene Rettung der Sammlung ein gutes Ende. Die Qualität der Kollektion stand immer im Mittelpunkt der Diskussionen. Ist die Sammlung auf Staatskosten und aus kunsthistorischer Sicht erhaltenswert? Diese Frage wurde zu Recht gestellt. Fakt ist, es ist eine Sammlung, die von persönlichen Interessen und dem Kontakt zu bestimmten Künstlern geprägt ist – es ist eben eine Privatsammlung und kein Museum. Es fehlt ein roter Faden, eine Periode, ein Thema, eine Sparte, die wirklich in der Tiefe gesammelt wurde. Österreichische zeitgenössische Kunst ist umfangreich vorhanden, wurde aber dennoch nicht konsequent verfolgt. Als Institution spielt die Sammlung für österreichische Künstler trotzdem eine wichtige Rolle.

Filetstücke. Durch den Verkauf gehen einige kapitale Arbeiten verloren, allen voran von Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke und Martin Kippenberger. Doch die Auswahl wurde so getroffen, dass wichtige Werkgruppen unbeschädigt bleiben. Anders ausgedrückt: Ob die Sammlung Essl einen Fontana hat oder nicht, spielt keine Rolle.

Aus Erlössicht ist die Wahl klug – mit einem Schwerpunkt auf deutsche Nachkriegskunst. Sie spiegelt den Zeitgeschmack wider. In London zeigen aktuell das British Museum, die Tate Modern und die Royal Academy Ausstellungen zu deutscher Nachkriegskunst, und die New Yorker Galerie Marian Goodman eröffnet ihre London-Niederlassung mit einer Schau zu Gerhard Richter. „Deutsche Nachkriegskunst hat sich über alle Phasen bewährt und international dauerhaft etabliert. Über deren Qualität gibt es keinen Zweifel mehr“, sagt Herrad Schorn, Christie's-Expertin für Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Dass der Verkauf der Sammlung mit dieser internationalen Präsenz deutscher Nachkriegskunst zusammenfällt, sei Glück, meint die Expertin. Glück auch für die Sammlung, denn österreichische Zeitgenossen reüssieren auf dem internationalen Auktionsmarkt kaum. Gesucht sind eine Handvoll Künstler: Erwin Wurm, Franz West und Maria Lassnig, frühe Nitsch-Arbeiten und manches von Arnulf Rainer und Valie Export. Der Rest ist Schweigen.

eva.komarek@wirtschaftsblatt.at 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2014)