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Essl-Auktion: 7,92 Mio. Euro für Richters „Wolken“

Sigmar Polkes "Indianer mit Adler"(c) APA/EPA/CHRISTIES AUCTION / HO (CHRISTIES AUCTION / HO)
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Christie's versteigerte Teile der Essl-Sammlung. Den höchsten Preis erzielte ein Werk Gerhard Richters.

London. Die Versteigerung aus der Sammlung Essl am Londoner Auktionshaus Christie's am Montagabend hat einen Erlös von 52,3 Millionen Pfund gebracht. Während Francis Outred, Head of Postwar and Contemporary Art bei Christie's, für das Auktionshaus von einem „großen Erfolg” sprach, fand das am höchsten eingeschätzte Werk „Netz“ von Gerhard Richter erst im Verkauf nach der Auktion für 5,5 Millionen Pfund einen Abnehmer. Besonders beliebt waren die Werke des Ostdeutschen Sigmar Polke: Sein Bild „Indianer mit Adler” wurde für 5,1 Millionen Pfund verkauft.

Dagegen blieb das Bild „Terroristennachwuchs vom südlichen Mittelmeer“ von Martin Kippenberger unter dem Mindestgebot, auch zwei weitere Bilder des deutschen Malers blieben mit Preisen knapp über dem Mindestgebot unter den Erwartungen. Den höchsten Preis erzielte das Bild „Wolken“ von Gerhard Richter mit 6,2 Millionen Pfund (umgerechnet 7,92 Mio. Euro).

Die höchste Steigerung schaffte Anthony Gormleys „Aggregate“: Angeboten um ein Erstgebot von 100.000 Pfund ging das Werk des britischen Künstlers schließlich um 1,3 Millionen Pfund an seinen neuen Besitzer. Von den Österreichern erzielte Friedensreich Hundertwassers „Der Siebente Bezirk“ 266.000 Pfund. Der Preis von 150.000 Pfund für Maria Lassnigs „Zwei Maler, drei Leinwände“ bedeutete einen Rekord für die Österreicherin.

Der Begründer der Sammlung Karlheinz Essl verfolgte die Versteigerung privat und erklärte anschließend: „Wir freuen uns, dass der Erlös der überaus erfolgreichen Auktion es uns ermöglichen wird, das Essl Museum auf Jahre hin zu sichern und mit unserem Ausstellungsprogramm fortzufahren.“

40 Werke fanden Käufer


Essl hatte insgesamt 43 Werke (eines wurde vor Auktionsbeginn zurückgezogen) angeboten, davon fanden 39 in der Versteigerung einen Käufer, während Richters „Netz“ erst danach verkauft werden konnte. Vor der Auktion war von Erlösen von 40 bis 60 Millionen Pfund gesprochen worden. Das Ergebnis aus dem Auktionspreis (der sogenannte „Hammerpreis“) betrug nun 40,03 Millionen Pfund. Erst mit dem Premiumpreis und dem After-Sale wurde die Marke auf 52 Millionen Pfund gesteigert. Die Identität der Käufer wurde geheim gehalten, starkes Interesse wurde aus den USA vermerkt.


Das Ehepaar Karlheinz und Agnes Essl hat seit den 1960er Jahren „eine der anerkanntesten und meistbewunderten Sammlungen der Gegenwartskunst in Europa“ zusammengetragen, so Jussi Pylkkänen, Präsident von Christie's Europa. Insgesamt haben sie mehr als 7000 Kunstwerke gesammelt. Die finanzielle Schieflage von Essls Baumax-Gruppe bedrohte zuletzt auch die Zukunft der Sammlung, die der Gründer mit der Auktion nunmehr aber gesichert sieht.


Die Auktion in London bildete am Montag auch auch den Auftakt zur zwölften Ausgabe der „Frieze“, der Messe für zeitgenössische Kunst, die von 15. bis 18. Oktober im Londoner Regent's Park stattfindet. 162 Galerien stellen dort aus, 25 Länder präsentieren dabei ihre Künstler. Zeitgleich zur Versteigerung der Werke aus der Essl-Sammlung widmet die Tate Modern derzeit dem deutschen Maler Sigmar Polke eine Sonderausstellung.

(Die Presse" - Printausgabe vom 14.10.2014)