AKW-Warnung als bürokratische Übung

Da wurde spät und missverständlich vor einem Atomunfall in Slowenien gewarnt, der keiner war. Nicht gerade beruhigend!

Es schoss die Angst in die Glieder und Erinnerungen an Tschernobyl wurden wach. „Holt die Kinder aus dem Garten!“ Die EU-Kommission löste am Dienstagabend Alarm aus. Das europäische Frühwarnsystem für Atomunfälle meldete einen möglicherweise gefährlichen Zwischenfall im AKW Krsko.

Dass die Warnung angeblich überhaupt nicht notwendig, der Zwischenfall gar nicht gefährlich war, mag beruhigen. Nicht so die gesamte Abwicklung des Falls: Denn die erste Probe des EU-Frühwarnsystems deckte gleich ein ganze Reihe bürokratischer Schlaglöcher auf. Slowenien hat offenbar schon bei der Übermittlung der Daten Fehler begangen. So wurde im Computerformular der Begriff „Übung“ nicht annulliert. Die zuständigen Stellen in Brüssel haben spät, dafür über-reagiert. Und weil kein Mensch in der Kette der Verantwortlichen bereit war, Klarheit zu schaffen, ging eine wirre Warnung hinaus, die entweder so oder so – als konkrete Gefahr oder Vorsichtsmaßnahme – interpretiert werden konnte. Ist die Kritik von AKW-Gegnern korrekt, so hat die Information obendrein vier Stunden gedauert, ehe sie die Bevölkerung erreichte.

Das EU-Frühwarnsystem sollte die in Fragen der Atomkraft sensibilisierten Menschen eigentlich beruhigen, nun ist es aber eher Anlass zur Ängstigung. Einziges Glück ist, dass die Atomkraftwerke derzeit immerhin sicherer sind als das System, das sie kontrolliert. (Bericht: S. 10)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2008)

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