Das Online-Wettgeschäft erhält durch die Euro Aufwind – und zeigt, dass auch Österreicher Patrioten sind.
Auch das schönste Fußballmatch kann durch eine Wette zusätzlich an Spannung gewinnen. Der Klassiker Toto-Schein hat dabei massenhaft Konkurrenz aus dem Internet bekommen, wo man kurzfristig, auch noch während des Spiels, einen Tipp abgeben kann. Dabei lassen sich – mit dem richtigen Riecher – nicht nur Tore, sondern mit Schicksalsfragen wie „Welches Team hat zuerst drei Einwürfe in der zweiten Hälfte?“ praktisch alle Spielereignisse versilbern. „Wir bieten zur Euro '08 rund 11.000 verschiedene Wetten an“, quantifiziert bwin-Sprecher Kevin O'Neil das fast unüberschaubare Angebot.
Die Erwartungen der Branche an die Euro sind „sehr hoch“, so Dietmar Hoscher, Vorstand von Casinos Austria und Tipp3, die Sportwetten auch per Internet und SMS anbieten. Wie der Rest der Branche rechnet Hoscher mit einem Umsatzplus von etwa zehn Prozent. Was auf den ersten Blick gering erscheint, aber in Relation zu den wenigen Events gesehen werden muss – die 31 EM-Matches entsprechen einem Wochenende des normalen (internationalen) Spielbetriebs. „Bei einem solchen Großereignis kommen etwa 20 bis 25 Prozent der Tipps von Leuten, die ansonsten nicht wetten – die beste Gelegenheit, Neukunden zu gewinnen“, ergänzt Jürgen Irsigler, Vorstand der Admiral Sportwetten, die auch eine Online-Wettplattform betreiben.
Österreich EM-Favorit
Noch größeren Einfluss als auf die Umsätze hat die Euro auf das Wettverhalten: Irsigler berichtet von einer regelrechten EM-Euphorie: Nach den bei Admiral abgegebenen Tipps ist Österreich nach Deutschland und Italien auf Platz drei der EM-Favoriten. Neben Patriotismus dürften auch die Quoten eine Rolle spielen. O'Neil ortet einen generellen Trend, bei der EM auf Außenseiter zu setzen, da es auch früher Überraschungssieger wie Dänemark oder Griechenland gegeben hat.
Neben teilweise neu gestalteten Websites locken die Betreiber etwa mit Gratisguthaben. Bei allzu verlockenden Angeboten ist aber Vorsicht geboten. Während der Euro haben auch Cyber-Kriminelle Hochsaison. Eine Regel, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden, gibt es nicht. „Professionelle Websites hat jeder, erst bei der Auszahlung, die innerhalb von zwei Tagen erfolgen sollte, trennt sich die Spreu vom Weizen“, so Irsigler. Generell wird zu bekannteren Anbietern geraten. „Im Internet ist die Marke besonders wichtig“, so O'Neil. Einfach einem Link zu folgen, kann übrigens ein fataler Fehler sein – wenn dieser auf einen „Nachbau“ der gewünschten Website führt. Besser ist, die Adresse händisch einzugeben. Sicher sind die in Trafiken erhältlichen Eurobons von Tipp3. Auch Online-Bezahlsysteme wie Paypal, Paysafecard etc. schützen vor leer geräumten Konten, da sie keine sensiblen Informationen an Dritte weitergeben. Schlimmstenfalls ist der Einsatz verloren – aber damit muss man ohnehin immer rechnen, wenn man um Geld wettet. at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2008)