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Burgtheater: „Der Turm, auf den alle schauen!“

PK ´PR�SENTATION DER NEUEN BURGTHEATER-DIREKTION´: OSTERMAYER / BERGMANN
OSTERMAYER / BERGMANN(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
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Applaus für Bergmann, die bis 2019 Burg-Chefin sein wird, bei der Pressekonferenz am Dienstag. Kulturminister Ostermayer berichtete von „emotionaler Zustimmung“ im Aufsichtsrat. Bergmann wählt Europa als Motto.

Kulturminister Josef Ostermayer wollte es am Dienstag spannend machen im Pausenfoyer des Burgtheaters, wo die neue Direktion vorgestellt wurde. Ausführlich referierte er den angesichts des Ergebnisses umständlich anmutenden Auswahlprozess, Ausschreibung, Gespräche mit Kandidaten, Findungskommission, und teilte danach mit, was die meisten schon wussten: Karin Bergmann bleibt bis 2019 Burgtheater-Direktorin. Ensemble wie Aufsichtsrat wurden kurz zuvor informiert, im Aufsichtsrat habe es „emotionale Zustimmung“ zu seiner Wahl gegeben, berichtete Ostermayer. Bergmann wurde mit starkem Applaus, auch von den Journalisten, empfangen.

Im Hintergrund gibt es aber bereits Säbelrasseln: „Die Berufung der Frau Bergmann überrascht uns nicht“, erklärte Katharina Körber-Risak, Anwältin von Ex-Burg-Chef Matthias Hartmann, der vor dem Arbeitsgericht seine Entlassung bekämpft: „Aufgrund der bisherigen Vorgangsweise der Politik war klar, dass nur jemand, der tief im alten System verwurzelt ist wie Frau Bergmann, das Interesse der Politik, weitere Transparenz zu verhindern, bestmöglich erfüllen kann.“ Der Arbeitsgerichtsprozess der früheren Burg-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky, die ebenfalls ihre Entlassung angefochten hat, wird am 19.Oktober unter anderem mit der Anhörung des in Pension gegangen ehemaligen Bundestheater-Holding-Chefs Georg Springer fortgesetzt.

Ostermayer erklärte dazu, er habe mit „Bergmann über die Vergangenheit geredet, sie hat mir gesagt, dass es nichts gibt, was ein Problem werden könnte.“ Ob aus „prozesstaktischen Gründen Angriffe gestartet werden, auch wenn sie keine Substanz haben, wissen wir natürlich nicht,“ so der Minister.

 

Kušej-Fans dürfen sich freuen

Bergmann, sichtlich bewegt vom Applaus für ihre Ernennung, erläuterte ausführlich und energisch ihre Vorstellungen. Sie habe bereits Gespräche mit namhaften Regisseuren wie Martin Kušej, Andreas Kriegenburg, Alvis Hermanis geführt: „Martin Kušej, den ich durch seine Inszenierungen, etwa ,Glaube und Heimat‘, am Burgtheater gut kenne, gehört an dieses Haus. Ich bin in Kontakt mit ihm, er wird hier arbeiten“, versprach Bergmann. Nach der Ernennung von Matthias Hartmann zum Burgtheater-Direktor hatte Kušej, der nun Intendant des Münchner Residenz-Theaters ist und derzeit an der London Covent Garden Opera Mozarts „Idomeneo“ inszeniert, erklärt, er werde das Burgtheater nie wieder betreten. Hermanis hat an der Burg Tschechows „Platonov“ und Schnitzlers „Weites Land“ herausgebracht, sich aber zuletzt verstärkt der Oper zugewandt. Kriegenburg inszenierte u.a. in Wien Wedekinds „Lulu“ und zuletzt bei den Salzburger Festspielen „Don Juan kommt aus dem Krieg“ von Horváth. Als weitere Regisseure nannte Bergmann Michael Thalheimer, der ebenfalls für die Burg-Chef-Nachfolge im Gespräch war und im März 2015 Elfriede Jelineks „Schutzbefohlene“ im Burgtheater herausbringen wird, sowie den in Berlin lebenden Herbert Fritsch. Das Burgtheater solle sich wieder den „epochalen Stoffen“ widmen: Dantes „Göttlicher Komödie“, der Orestie, den Nibelungen, vielleicht auch einem neuen „Jedermann“. Es präsentiert neue Autoren wie Maja Haderlap und Ewald Palmetshofer, den das Wiener Schauspielhaus entdeckte. Die Burg solle sich „dem neuen Europa“ widmen, sie wolle Regisseure aus Slowenien, der Slowakei, Tschechien, Ungarn einladen, kündigte Bergmann an. Trotz Sparkurses sei sie zuversichtlich, sich ihr ambitioniertes Programm leisten zu können. Mit den Opernhäusern gemeinsam will sie sich dafür einsetzen, dass wenigstens die jährlichen Gehaltssteigerungen abgegolten werden, wie das bei den Bundesbediensteten, bei den Universitäten zumindest zur Hälfte erfolge. Hier reagierte Ostermayer mit Zurückhaltung, er verwies auf die nach unten revidierten Wachstumsprognosen für die Wirtschaft.

Es besteht Konsens zwischen Bergmann und dem Minister, dass der Vertrag nur bis 2019 laufen soll: „In zwei Jahren begeben wir uns wieder auf die Suche nach einem Nachfolger bzw. einer Nachfolgerin für Karin Bergmann“, sagte Ostermayer. Bergmann meinte, fünf Jahre seien eine gute Zeit, sie sei dann 66 Jahre, und es wäre kein Nachteil, wenn dann jüngere Kräfte kämen.

 

Welche Sparmaßnahmen kommen?

Bergmann, die 1953 als Tochter eines Bergwerksarbeiters in Recklinghausen geboren wurde, u.a. Claus Peymanns Pressesprecherin und unter Burg-Chef Nikolaus Bachler Vizedirektorin des Burgtheaters war, erzählte, Bekannte hätten sich nach ihrer Bestellung im heurigen März als Interims-Chefin und „Aufräumerin“ nach den bekannt gewordenen Malversationen im Burgtheater gewundert, dass sie sich getraut hätte, in einer so prekären Situation die Führung des Hauses zu übernehmen: „Ich habe mir das nicht überlegt.“ Sie habe sich mit Leidenschaft an die Arbeit gemacht, ihr Gefühl, dass sie das Richtige tue, habe sie nicht getrogen: „Die jetzige Entscheidung macht mich sehr froh. Ich bin dankbar dafür.“ Formell bewerben musste sie sich nicht, weil sie die „Amtsführerin“ war, trotzdem sei es eine „sportive“ Situation für sie gewesen. Sie habe viel Zuspruch von außen bekommen und festgestellt: „Die Burg ist ein Turm, auf den alle schauen, auch wenn es kurz so ausgesehen hat, als ob er schwankte.“

Kaum die Rede war in der allgemeinen Freude davon, welche Sparmaßnahmen noch auf die Burg zukommen, ob es Kündigungen bzw. Nichtverlängerung von Verträgen im großen Ensemble gibt. Wird das Burgtheater künftig künstlerisch bieten können, was es bisher geboten hat? Die Burg-Krise ist noch nicht ausgestanden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2014)