Krieg gegen IS: Holländische Rocker kämpfen für Kurden

Ein mutmaßliches Mitglied der Rockerbande
Ein mutmaßliches Mitglied der Rockerbande "No Surrender" neben einem kurdischen Kämpfer in SyrienKoerden in NL

Mitglieder der berüchtigten Bande "No Surrender MC" sind quasi als Söldner nach Syrien gereist. Seitens der niederländischen Justiz heißt es, dass man dagegen nichts unternehmen werde.

Dass islamistische Terrorbanden im Nahen Osten, allen voran der "Islamische Staat" (IS), Zulauf von Fanatikern aus aller Welt haben, ist bekannt. Doch auch ihre Gegner vor Ort erhalten - abgesehen von der internationalen Intervention gegen den IS durch Streitkräfte vieler Staaten - Verstärkung durch Freiwillige. Diese kann, wie sich nun zeigt, sehr ungewöhnlicher Art sein: Berichten britischer und niederländischer Medien zufolge haben sich Mitglieder der berüchtigten holländischen Motorradrockerbande "No Surrender MC" den Kurden in Syrien angeschlossen, um gegen den IS zu kämpfen.

Tatsächlich tauchte jüngst ein Foto (siehe oben) aus, welches angeblich ein Mitglied von No Surrender mit einem kurdischen Kämpfer an einem unbekannten Ort in Syrien zeigt. Der Name des tätowierten Holländers, der ein Sturmgewehr umgehängt hat, wird nur mit "Ron" angegeben.

Der Chef der Rockerbande, ein gewisser Klaas Otto, bestätigte, dass vorerst drei seiner Leute nach Syrien gereist seien, um den Kurden zu helfen. Die Männer seien ehemalige Soldaten der niederländischen Armee, könnten also mit Waffen umgehen. Die Sache ist mittlerweile sogar quasi "offiziell": Ein Sprecher der niederländischen Generalstaatsanwaltschaft, Wim de Bruin, sagte, dass man gegen die "Söldner-Rocker" nicht vorgehen werde: Nach holländischem Recht sei der Beitritt zu fremden Streitkräften nämlich nur dann verboten bzw. strafbar, wenn diese gegen die Niederlande kämpften oder als illegale Organisation eingestuft würden. Die Kurden generell seien keine illegale Streitmacht - allerdings dürften sich holländische Bürger nicht formell der kurdischen Partei PKK anschließen, denn diese ist auch in den Niederlanden als Terrororganisation verboten. Zudem könnten Holländer, die in Syrien kämpfen, wegen etwaiger Verbrechen wie Vergewaltigung verfolgt werden.

Verbrecherische Geschäfte

No Surrender MC wurde Anfang 2013 gegründet und soll mehr als 600 Mitglieder haben, die teils von rivalisierenden Rockerklubs wie den Hells Angels kamen. Sie gelten für die Behörden als "Outlaw-Gruppe": Darunter versteht man Rockerbanden, die explizit gewaltbereit sind und in organisierte Kriminalität, etwa Drogenhandel, Zuhälterei, Erpressung und sogar Tötungsdelikte, verwickelt sind, so wie etwa auch die Hells Angels und "Bandidos". No Surrender hat sich einen üblen Ruf als skrupellose Verbrecherbande erworben, es gab blutige Kämpfe mit gegnerischen Banden. Zudem versuchte die Gruppe zuletzt, in Norddeutschland Fuß zu fassen; in deutschen Medien wurde gar von einem "Rockerkrieg am Niederrhein" gewarnt.