Neubau, Neu: Wie eine Gasse zur Modemeile wird

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Die Lindengasse erlebt einen Gründer-Boom. Als zentraler Modebezirk taugt der Siebente nicht ganz.

Wien. Es ist einer dieser Momente, die es in Wien öfter, aber doch nicht oft genug gibt. Man geht durch eine der bekannten Gassen und – plötzlich – kann man, was man schon länger wusste, in schlechtes Deutsch fassen: Hier tut sich etwas.

Und zwar im Fall der Lindengasse in Wien-Neubau (siehe Grafik) Handfestes: Auf dem kurzen Abschnitt zwischen Neubaugasse und Kirchengasse, in unmittelbarer Nähe zum Sitz der Wiener Grünen, ist ein echter Mode-Cluster entstanden. In den vergangenen Jahren haben sich hier zehn Shops angesiedelt, die meisten davon 2007.

Die Bandbreite der Mode reicht von Emo-Stil im „Kingpin“ bis zu in Indien gefertigten Maßanzügen von „Rotknopf“. Doch je näher man dem Museumquartier kommt, umso mehr Mode sieht man, die man von den dortigen Messen (Modepalast) kennt: Detailverliebte, handgearbeitete Stücke mit Spitze oder asymetrischem Schnitt bei „La petite boutique“, „wabisabi“ oder „lila pix“, wo Lili Ploskova neben ihren Leder-Accessoires seit Jänner auch Mode junger europäischer Designer verkauft. Ende 2007 kam „buntwäsche“, erst im April hat sich das junge ungarische Label „Eclectick“ angesiedelt, im Herbst kommt Martina Meixner mit ihrem Label „Maronski“.

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, glaubt Josef Koppensteiner von der Interessensgemeinschaft der Kaufleute am Neubau. Schließlich habe die Lindengasse den Vorteil deutlich günstigerer Mieten als in der mittlerweile als kommerziell verschrienen Neubaugasse; durch die Nähe zu Museumsquartier gebe es dennoch genug Laufkundschaft. Folge: „Die kleinen Designer gehen verstärkt in die Nebengassen. Ich glaube, dass die Lindengasse in den nächsten fünf Jahren noch gefragter wird.“ Dabei, sagen zumindest viele von diesen zur „Presse“, habe sie der Zufall hierher getrieben. Tenor: „Ich brauchte schnell ein Lokal, hier war etwas Günstiges frei.“

Museumsquartier: Umstrittene Rolle

Bei nüchterner Betrachtung war es freilich mehr als Zufall: Vielmehr steht die Lindengasse für eine Entwicklung, die der Siebente schon länger durchmacht: Statt nach (halb)lustigen T-Shirts oder Jugendkultur-Zubehör durchforstet man die Gassen heute nach österreichischer Mode. Zwar findet man hier nicht jene, die international reüssiert – abgesehen vom „Park“-Concept-Store – aber doch „erwachsene“ lokale Labels.

Denn für die Einmann/frau-Betriebe ist die kleinteilige Struktur der Häuser ideal: In den oft winzigen Erdgeschoß-Räumen fühlen sich nicht nur Grafikbüros, sondern auch Modeshops wohl. Inwieweit das Museumsquartier Anteil am Gründer-Boom im Grätzel hat, ist umstritten. Einerseits versperrt das wuchtige Areal den Zugang zum Bezirk, andererseits bietet die jährliche Verkaufsausstellung „Modepalast“ im q21 gerade den kleinen Labels eine große Plattform. Und es gibt weitere Mode-Pläne im MQ. Weil aber, wie q21-Leiter Vitus Weh meint „nicht alles hinter unseren vollgestopften Mauern stattfinden muss“, schielt man dafür in die Gassen.

Kommt ein Österreich-Shop?

Es kursiert die Idee eines Flagship-Stores für heimische Mode als „zentrale Anlaufstelle“ für österreichisches Design. Und das am besten – genau – in Neubau. Das Vorhaben gefällt nicht allen; vor allem nicht jenen Designern, die international verkaufen und deren Mode in Wien meist nur in den diversen Ateliers zu haben ist. In einem Shop neben lokal arbeitenden Kollegen zu hängen hält Katrin Seiler vom Modebüro Unit F für „eher imageschädigend“. Wenn überhaupt, müsse so ein Shop extrem selektiv bestückt werden, so wie der temporäre Guerilla-Store (bis 21. 6.), der anlässlich des laufenden Fashion-Festivals eingerichtet wurde. Übrigens mitten im Siebenten (Westbahnstr. 22). Das war aber, sagt Seiler, „wirklich nur Zufall“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2008)

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