Massive Verluste für ÖVP und SPÖ. Fritz Dinkhauser erreicht 19 Prozent und stellt den Anspruch auf den Landeshauptmann.
Die Wahl in Tirol hat ein politisches Erdbeben ausgelöst: Fritz Dinkhauser hat aus dem Stand 19 Prozent der Stimmen erreicht und damit sensationell Platz zwei belegt. Die ÖVP holte 40 Prozent und sieht den Landeshauptmann-Sessel gesichert, da angesichts massiver Verluste von SPÖ und Grünen keine Dreierkoalition gegen die Volkspartei mehr möglich ist. Zweiter Wahlsieger sind die Freiheitlichen, die klar über die 10-Prozent-Grenze kletterten. Christen und KPÖ waren ohne Chance auf den Einzug in den Landtag. Die Wahlbeteiligung stieg ein wenig auf 62 Prozent.
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Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis kam die Volkspartei auf 40,5 Prozent, 2003 waren es noch 49,9 Prozent gewesen. Dinkhauser konnte 18,3 Prozent der Wähler von sich überzeugen. Auf Platz drei abgeglitten ist die SPÖ, die mit 15,6 Prozent gleich 10,2 Prozentpunkte einbüßte und somit zum größten Wahlverlierer wurde. Enttäuschend verlief der Wahlgang auch für die Grünen, die mit 10,4 Prozent immerhin 5,2 Punkte verloren. Die FPÖ erholte sich von 8 auf 12,7 Prozent.
Selbst ernannte Kandidaten für den Landeshauptmann-Stuhl gibt es nun drei. Herwig van Staa (VP) geht davon aus, dass er sein Amt behält, habe er doch de facto eine Mehrheit gegen die ÖVP verhindert. Daher will er schon am Montag die Koalitionsverhandlungen starten. Das gewährt ihm quasi auch seine Stellvertreterin Elisabeth Zanon. Allerdings möchte sie, dass gleich zu Beginn der Legislaturperiode dann ein Generationenwechsel stattfindet. Dabei wolle sie in jedem Fall kandidieren, um erste Landeshauptfrau Tirols zu werden. Schließlich ernannte sich auch noch Dinkhauser zum LH-Kandidaten.
Ab Montag werden dann die Farbenspiele beginnen. Van Staa ist bereit, Gespräche mit allen Parteien zu führen. Sein Vorteil: Die ÖVP würde mit allen Partnern die nötige absolute Mehrheit erhalten. Dinkhauser bleibt zwar dabei, Van Staa sicher nicht mehr zu wählen. Es gebe aber in der ÖVP genügend Persönlichkeiten, mit denen man absolut arbeiten könne. Auch FPÖ-Landeschef Gerald Hauser schloss nur ein Kür Van Staas aus, nicht aber eine Kooperation mit der Volkspartei. Auch SPÖ und Grüne werden mit der ÖVP sprechen.
Personelle Konsequenzen zeichneten sich bereits am Wahlabend bei den Verlieren ab. Der Tiroler ÖGB-Chef Franz Reiter, der von Landesobmann Hannes Gschwentner auf der Kandidatenliste nach hinten gereiht worden war und daraufhin auf ein Antreten verzichtete, forderte "neue Köpfe". Gschwentner "wird wissen, welche Entscheidung er zu treffen hat". Das weiß er offenbar noch nicht, denn der glücklose Spitzenkandidat sah am Abend keinen Grund abzutreten. Am Montag tagen ebenso wie bei ÖVP und Grünen die Gremien.
Nicht als Sesselkleber wollte sich Grünen-Spitzenkandidat Georg Willi betätigen. Er kündigte zwar nicht seine Demission an, betonte aber, die Vertrauensfrage stellen zu wollen. Immerhin hatte Willi als Wahlziel 20 Prozent ausgegeben und war dann sogar auf Platz fünf zurückgefallen.
Auf Bundesebene versuchte man bei der SPÖ nicht einmal die Lage schönzureden. Bundeskanzler und SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer meinte, das Ergebnis sei "auch für mich und die gesamte SPÖ schmerzlich". Bundesgeschäftsführer Josef Kalina bestritt auch gar nicht, dass die Bundespolitik ihren Einfluss gehabt habe. Auf die berief sich auch der Gschwentner in seiner Analyse. Für die ÖVP sprach Bundesparteiobmann Wilhelm Molterer von einem "respektablen Ergebnis". Der Vizekanzler zeigte sich überzeugt, dass Tirol auch in Zukunft von einem "starken ÖVP-Landeshauptmann" geführt werde.
(APA/Red.)