Hillary Clinton beendete ihre Kandidatur und unterstützt Barack Obama – sehr zum Leidwesen vieler ihrer Anhänger.
Washington. So enden also 17 Monate Wahlkampf. Mit einem VIP-Bereich, der sich nicht füllen will; mit leeren Sitzen; mit „Clinton for President“-Plakaten, die von Mitarbeitern eingesammelt werden, weil sie an diesem Tag nur noch für die TV-Kameras als Symbolbilder für eine gescheiterte Kampagne dienen würden.
Nach einem harten Kampf, nach geradezu verzweifelten Versuchen, in jeder Niederlage irgendwo einen Sieg zu finden, beendete Hillary Clinton am Wochenende in Washington ihre Kandidatur für das Präsidentenamt. Der Traum von der ersten Frau als US-Präsidentin ist geplatzt. Dafür lebt der Traum, dass der erste Afro-Amerikaner ins Weiße Haus einziehen könnte.
Buh-Rufe für Obama
Doch von Barack Obama wollen die paar tausend Clinton-Anhänger an diesem Tag nichts wissen. Edith Miller, die eigens aus West-Virginia angereist ist, hält ein Schild hoch mit der Aufforderung: „Stimmt im November anwesend.“ Nicht Obama werde sie wählen, auch nicht den Republikaner John McCain. Sie werde zur Wahl gehen, weil das „meine demokratische Pflicht ist“. Aber sie werde nicht gültig stimmen.
„Niemals werde ich Obama wählen.“ „Warum nicht? „Weil er nicht die Person ist, die wir im Weißen Haus brauchen.“ Und was, wenn deswegen McCain gewinnt? „Dann ist das das gleiche Übel.“
Die Ressentiments gegen Obama kriegt selbst Clinton zu spüren. Sobald sie in ihrer 30-minütigen Rede seinen Namen erwähnt, hört man „Buh“-Rufe durchs National Building Museum schallen. „Wir müssen alles tun, damit Barack Obama unser nächster Präsident wird“, meint sie etwa. „Buh“ kommt die Antwort. „Es war ein harter Kampf. Aber die demokratische Partei ist eine Familie und es ist Zeit, die Banden wieder zu knüpfen, die uns vereinen“, fordert sie. Doch ihre Anhänger sind noch nicht bereit, dem Aufruf zur Solidarität zu folgen.
Dass ihre Bewerbung so enden wird, hatte im Jänner 2007 niemand gedacht. „Das“, meinte sie bei der Abschlussfeier, „ist nicht die Party, die ich mir vorgestellt habe.“ Als sie ihre Kandidatur ankündigte, zweifelte niemand an ihrer zuversichtlichen Aussage, sie sei „im Rennen, um zu gewinnen“. Wer sollte ihr schon gefährlich werden? Wer hat ihrer politischen Erfahrung schon etwas entgegenzusetzen?
Doch die Menschen wollten offenbar einen Wechsel, nicht einen politischen Profi. Das verhalf dem Jungsenator Obama zu einem überraschenden Sieg bei der ersten Vorwahl im Jänner 2008 in Iowa und am Ende zur Nominierung. Dazu kamen viele Fehler der Clinton-Berater – der größte davon, Obama zu unterschätzen.
Mit Zuversicht die schon an Überheblichkeit grenzte, führten die Clinton-Berater den Wahlkampf. Zu spät reagierte man auf Obama, positionierte Clinton dann einmal als starke Frau, einmal als Arbeiterin. Peinlich etwa ihr Auftritt in Pennsylvania, als sie Bier aus der Flasche trank; ein Glas Whiskey auf einen Zug leerte; über ihre Erfahrung mit Waffen prahlte, obwohl sie immer Verfechterin strengerer Waffengesetze war.
Dann entlarvte sie der TV-Sender CBS als Geschichtenerzählerin im Stile von Münchhausen, als man Bilder ausstrahlte, die eine ruhige Zeremonie bei ihrem Besuch als First Lady in Bosnien zeigten. Bis dahin hatte Clinton stets erzählt, sie sei unter Scharfschützen-Beschuss gelandet.
Bill als Problem
Selbst ihr charismatischer Ehemann Bill Clinton erwies sich als nicht wirklich hilfreich. Er verlor wiederholt die Contenance, attackierte Journalisten und kritische Zuhörer. Seine teils taktlosen Angriffe gegen Obama trugen nach Meinung mancher Politexperten nur zu dessen Höhenflug bei.
Für Hillary Clinton ging es aber nicht nur um das Präsidentenamt, sie habe auch für das weibliche Geschlecht gekämpft, erklärt sie ihren Anhängern. Es gebe noch immer Hürden für Frauen, der Kampf um vollständige Gleichwertigkeit sei noch nicht zu Ende. Aber man habe eine große Veränderung bewirkt: „Es wird normal sein, sich vorzustellen, dass eine Frau Präsidentin der USA sein kann. Und das ist wirklich bemerkenswert.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2008)