Zagreb oder Wien? Massenfestival am Ring

(c) Reuters (Leonhard Föger)
  • Drucken

Das Match Österreich – Kroatien gerät zum echten Härtetest. Und: Was die Fanzone im „Normalbetrieb“ kann.

Zagreb oder Wien? Schaut man allein auf die rot-weißen (karierten) 36.270 Fans – so viele zählten die Veranstalter zum Anpfiff – am und rund um den Rathausplatz, man könnte tatsächlich fragen, wo man ist. Und andere Fragen gleich anschließen. Zum Beispiel: Wie ist einigen Fans eigentlich gelungen, mit Leuchtfackeln in die Fanzone zu kommen?

Der Sicherheits-Check bei den Schleusen dürfte da gehörig ausgelassen haben. Das Match der beiden „Heimmannschaften“ Österreich und Kroatien ist nach dem lauen Start der Fanzone der erste echte Härtetest. Raufereien, Polizei und Festnahmen direkt vor dem Bildschirm inklusive.

Und auch, wenn der Tag nicht der Alltag sein wird, er zeigt doch, wo die Stimmung hingeht – nämlich irgendwo zwischen Stadion und Rock-Festival. Sprich: Rummel, Gedränge, obligatorische Betrunkene, obligatorische Raufereien, Logo-Wahnsinn und – wenn das denn möglich ist – das ständige Wandern von der einen Bühne, pardon, Schirm, zum anderen.

Das Areal der Fanzone ist nämlich mehrere und vor allem zweigeteilt: Hier als Public-Viewing-Zentrum, der diesen Sonntag unangenehm dicht gedrängte Rathausplatz. Dort, etwas ruhiger, der Heldenplatz mit einem Strand aus Holzspänen, der bietet, was sonst fehlt: Sitz- bzw. Liegegelegenheiten mit Sicht aufs Match. Aus den Spänen lassen sich Nackenstützen bauen. Bis die Span-Schlacht beginnt.

Apropos: Angst? Muss man die hier haben? Jein. Wer sich vor Massen fürchtet und lauten jungen Erwachsenen, bzw. vor Stadion-Stimmung an sich, bleibt zumindest bei „heißen Spielen“ eher besser weg. Oder sollte sich bei Heimspielen um eine Einladung in den VIP-Bereich (in Reihenhäuser-Optik am Rathausplatz) bemühen. Auch alle, die sich punkto Dresscode schmerzvoll fremd-schämen müssen, wenn sich jemand Fellhauben aufsetzt oder in die Fahne einwickelt, sind hier fehl am Platz (Das gilt übrigens für die Männer-Frauen-Quote: Die ist zumindest etwas ausgeglichener als gedacht).

Falls es einen aber selbst patriotisch überkommt, kann man übrigens seine Eitelkeit binnen Sekunden am Altar der Heimat opfern: Gratis-Stirnband und Carlsberg sei Dank. Sieht man von den verschärften Bedingungen am Sonntag mal ab, wo man für so etwas keinen Blick hat, muss man folgendes sagen: Rein optisch ist es schön hier. Parlament, Hofburg, Rathaus, Burgtheater. Ohne Autos wirkt der Ring nämlich wirklich ganz anders und, man kann es den Gegnern der City-Fanzone nicht ersparen, wirklich hübsch. Schade, dass da die Sicht auf den Bildschirm nicht ganz mithalten kann. Der „giant screen“ ist so groß nicht. Und überhaupt verlieren sich die zehn Schirme auf dem Gelände. Das fiel vor allem am Samstag auf, als sich der Andrang in der Fanzone noch in Grenzen hielt.

Schade auch, dass es für Schlechtwetter kaum Vorsorge gibt. Schirme werden aus Sicherheitsgründen beim Eingang abgenommen. Einer der wenigen Unterstände ist der riesige Uefa-Fan-Shop(kann das denn Absicht sein?).

Essen: Öfter fad als gut

Was dafür reichlich da ist, fast penetrant: die Option zum Konsum. DenBierpreis kann man an den Dosen ablesen, die sich draußen unter den Bäumen stapeln(4,50 Euro für ein Carlsberg). Schlimmer dran ist nur, wer Wasser kauft: 3 Euro. (Tipp: Es gibt Trinkbrunnen). Essenist dagegen fast geschenkt, in der Auswahl erwartbar (Leberkäse-Semmel und „Exotisches“) und öfter fad als gut (Ausnahme: zum Beispiel Falafel um 4,50 Euro). Das gilt übrigens auch für das sponsorengetriebene Rahmenprogramm, das von Kicken bis zu Tätigkeiten reicht, die außer Werbung wenig Sinn machen. Gut ist dagegen die causa prima, die im Vorfeld für Aufregung sorgte, gelöst: Die Toilettenfrage. Da gilt: Versprochen, gehalten. Es sind wirklich viele. Was aber nichts daran ändert, dass der frei zugängliche Rasen dran glauben wird müssen. Aber ja: Das Opernfilmfestival gibt es dann ab Juli.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.