Für Bundeskanzler Gusenbauer war der Wahlkampf überlagert von der Debatte zwischen Dinkhauser und van Staa. Die ÖVP gibt sich gelassen.
Bundespolitische Nachwehen nach dem Desaster der beiden Koalitionsparteien bei der Landtagswahl in Tirol. Die SPÖ ist am Wahlsonntag um mehr als zehn Prozentpunkte auf den historischen Tiefstand von 15,6 Prozent abgesackt und verfügt nur noch über fünf Sitze im Landtag. Auch die ÖVP verlor neun Prozentpunkte.
ALLE ERGEBNISSE DER BEZIRKE UND GEMEINDEN
Bundeskanzler und SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer hat angesichts des schlechten Abschneidens seiner Partei gemeint, das Ergebnis sei "auch für mich und die gesamte SPÖ schmerzlich".
Die personalpolitische Diskussion auf Bundesebene habe der Tiroler SP "nicht genützt", so Gusenbauer. "Ich verstehe, wenn Hannes Gschwentner (Tiroler SP-Chef, Anmerkung) enttäuscht ist". Gschwentner habe eine gute Politik gemacht, und erfolgreich in der Landesregierung gearbeitet. Der Wahlkampf sei "leider überlagert" gewesen, mit der Debatte zwischen dem früheren ÖVP-Mitglied Fritz Dinkhauser und dem Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa (VP).
Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller betonte, es gehe für die SPÖ jetzt um Ursachenforschung. "Was ist sozusagen der Bundesanteil an den Verlusten, welche Gründe sind in der Tiroler Landespolitik zu finden, und welche Lehren zieht man daraus". Diese Fragen müsse man zu allererst klären, so Burgstaller.
Molterer sieht "respektables Ergebnis"
In der ÖVP gibt man sich gelassener: Vizekanzler und ÖVP-Obmann Wilhelm Molterer hingegen hat das Abschneiden der Volkspartei bei den Tiroler Landtagswahlen als "respektables Ergebnis" bezeichnet. Die Tiroler Volkspartei habe "hart gekämpft und konnte die Wähler in Tirol mobilisieren", meinte der Finanzminister. Das Antreten des ehemaligen Tiroler AK-Präsident Fritz Dinkhauser mit einer eigenen Liste habe "die Tiroler verunsichert und die ÖVP belastet", suchte er Ursachen für die starken Verluste seiner Partei. Für Molterer habe die ÖVP aber "trotz der Abspaltung Dinkhausers" ihren "Führungsanspruch in Tirol" erfolgreich verteidigen können.
Missethon zieht "wenig Rückschlüsse" auf Bundespolitik
ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon sieht in dem für seine Partei schlechten Ergebnis bei der Tiroler Landtagswahl keinen Denkzettel für die Regierung. Er begründete den Wahlausgang mit der "irren hohen Aufmerksamkeit", die die Auseinandersetzung zwischen dem amtierenden Landeshauptmann Herwig van Staa und dem ÖVP-Abtrünnigen Fritz Dinkhauser genossen habe. Aus diesem Grund gebe es auch "wenig Rückschlüsse" auf die Bundespolitik.
Für die Verhandlungen über die künftige Landesregierung rät Missethon, weg von persönlichen Emotionen zu kommen. Auftrag sei es nun, Klarheit zu schaffen: "Wir müssen rasch eine stabile Regierung für Tirol aufstellen." Gespräche mit der Liste Dinkhauser schloss Missethon nicht dezidiert aus. Ratschläge aus Wien werde es allerdings keine geben. "Die Frage der Koalition wird natürlich in Innsbruck entschieden", so der ÖVP-Generalsekretär.
Trotz des enormen Stimmenverlusts sieht Missethon die Ziele, die sich die ÖVP gesetzt hatte, erreicht. Immerhin habe man die 40-Prozent-Marke überschritten, eine Mehrheit von SPÖ, Grünen und Dinkhauser sei zudem verhindert worden. "Wir haben eine satte bürgerliche Mehrheit in Tirol", rot -grün habe eine "schwere Niederlage" einstecken müssen. Außerdem sei die Ausgangssituation für die SPÖ eine andere gewesen: "Bei uns war klar, dass wir ablegen."
(APA/Red.)