Schreiduell und Ohrenschmerzen im Bawag-Prozess

(c) APA (Roland Schlager)
  • Drucken

Lautstarker Streit zwischen den Verteidigern des ehemaligen Wirtschaftsprüfers Reiter und dem Gutachter Keppert. Elsner hielt sich sein schmerzendes Ohr zu.

Zu einem ausgewachsenen Streit ist es am Montag am 105. Verhandlungstag im Bawag-Prozess gekommen. Die Verteidiger des angeklagten früheren Bawag-Wirtschaftsprüfers Robert Reiter machten dem Gutachter Thomas Keppert lautstarke Vorhaltungen machten. Als sich in die immer mehr ausufernde Auseinandersetzung auch noch Staatsanwalt Georg Krakow einschaltete, mahnte Richterin Claudia Bandion-Ortner die Beteiligten zur Mäßigung. Schließlich habe Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner Ohrenschmerzen, erinnerte sie. Elsner hielt sich während der immer lauter werdenden Debatte sein schmerzendes Ohr zu.

"Wunderwuzzi" Keppert

Scharfe Kritik am Sachverständigen Keppert äußerten Reiters Anwälte Thomas Kralik und Christoph Herbst, welcher Keppert ironisch als "Wunderwuzzi" bezeichnete. Kralik legte heute überraschend eine Unterlage des Finanzamts aus dem Jahr 2005 zu einer Betriebsprüfung der Casinos Austria vor. Demnach sind für das Finanzamt die Abschreibungen der Casinos Austria zum Casino Jericho nicht zulässig.

Nicht genehmigte Abschreibungen

Während Gutachter Keppert den Angeklagten vorhalte, sie hätten das Casino Jericho bzw. die Forderungen daraus nicht abgeschrieben, habe das Finanzamt den Casinos eben diese Abschreibung nicht genehmigt, argumentierte Kralik. Das Schreiben des Finanzamts habe man von den Casinos Austria erhalten, erläuterte Kralik. Die Richterin las ein Schreiben vor, in dem die Casinos Austria die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG von der Vertraulichkeit entbinden. Ex-Bawag-Wirtschaftsprüfer Reiter war bei der KPMG tätig.

Hintergrund des ganzen Streits ist der Anklagepunkt Bilanzfälschung: Folgt man dem Gutachten Kepperts, hätte die BAWAG in der Bilanz 2002 die Casino Jericho-Forderungen abschreiben müssen, was sie aber nicht getan hatte.

Casinos Austria haben Jericho abgeschrieben

Der frühere Generaldirektor der Casinos Austria, Leo Wallner, hatte im Zeugenstand im Bawag-Prozess ausgesagt, die Casinos hätten in ihrer Bilanz die Casino Jericho-Beteiligung nach der Schließung abgeschrieben, weil die Casinos eben vorsichtig bilanzierten. Das Casino Jericho war im Zuge der Intifada im Herbst 2000 geschlossen worden und wurde seitdem nicht mehr aufgesperrt.

Elsners Ohrenschmerzen

Schon wenige Minuten nch Prozessbeginn hatte Helmut Elsner über Ohrenschmerzen geklagt. Richterin Claudia Bandion-Ortner reagierte eher unwirsch auf die Beschwerden des Angeklagten: "Es gibt mehrere Personen im Gericht, die Schmerzen haben." Sie verfügte jedoch sofort eine Unterbrechung.

(APA)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.