Machtkampf in Tiroler ÖVP

(c) Reuters (Neubauer)
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Die Tiroler Wahlschlappe lässt Van Staas Kopf wackeln.

Die Wahlschlappe der Tiroler ÖVP bei der sonntägigen Landtagswahl könnte die Ära Herwig van Staa rascher beenden als zunächst erwartet. Die Gremien der ÖVP-Bünde traten am Montagnachmittag zusammen, um die Reihen zu ordnen. Innenminister Günther Platter soll intern Ambitionen geäußert haben, Van Staa als Landeshauptmann zu beerben. Wenige Chancen haben dürfte hingegen Landeshauptmann-Stellvertreterin Elisabeth Zanon, die sich selbst ins Spiel gebracht hatte.

ÖAAB und Wirtschaftsbund kamen Montagnachmittag zusammen, um die weitere Vorgangsweise abzusprechen. Platter soll bei den Arbeitnehmern auf den Wechsel aus dem Innenministerium an die Spitze Tirols drängen. Für den Landes AAB-Obmann spricht, dass er eine tragfähige Achse zu Wahlsieger Fritz Dinkhauser hat und somit eine schwarz-schwarze Koalition ermöglichen könnte.

Außerhalb des ÖAAB ist man allerdings vorerst zurückhaltend, was eine Ablöse des Landeshauptmanns durch den Innenminister betrifft. Öffentlich äußern wollte sich am Montag soundso vorerst niemand. Die Entscheidung dürfte am Abend in einer Sitzung des Landesvorstands fallen.

Krisensitzung auch in der SPÖ

Bei der SPÖ tritt am frühen Abend der 28-köpfige Landesvorstand zusammen. Ob personelle Konsequenzen nach dem historischen Tiefststand bei der sonntägigen Wahl gezogen werden, war vorerst unklar. Landeschef Hannes Gschwentner soll jedenfalls trotz zweistelliger Verluste nicht gewillt sein, das Ruder zu übergeben. Als mögliche Nachfolger wurden immer wieder der Nationalratsabgeordnete Gerhard Reheis und die Landtagsabgeordnete Elisabeth Blanik genannt. Bisher hat freilich nur der örtliche ÖGB-Chef Franz Reiter eine persönliche Erneuerung eingefordert.

Bei den Grünen bleibt alles beim alten. Erst am Freitag wird sich Georg Willi im Landesausschuss einer Vertrauensfrage stellen. Er selbst stellte aber am Montag klar, im Amt bleiben zu wollen. Bei der Sitzung des Vorstands am Montagnachmittag soll es vor allem darum gehen, Bedingungen für den Fall zu formulieren, dass die ÖVP auf die Grünen im Hinblick auf eine Regierungsbildung zukommt. Seitens der Liste Dinkhauser wurde auch am Montag dafür geworben, ein Kabinett der besten Köpfe zu formen, am besten unter einem Landeshauptmann Fritz Dinkhauser.

Auswirkungen über Tirol hinaus ortet man derweil in der SPÖ. Der steirische Landeshauptmann Franz Voves fürchtete Übles auch für andere Landesparteien bei deren nächsten Urnengängen. Wiederbelebt werden müssten die "SPÖ-Kernkompetenzen". Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller betonte ebenfalls, es gehe für die SPÖ jetzt um Ursachenforschung. "Was ist sozusagen der Bundesanteil an den Verlusten, welche Gründe sind in der Tiroler Landespolitik zu finden, und welche Lehren zieht man daraus". Die personalpolitische Diskussion auf Bundesebene habe der Tiroler SP "nicht genützt", bedauerte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der zuletzt als Parteichef unter Beschuss geraten war.

(APA)


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