Inflation bleibt 2008 über drei Prozent

(c) Reuters (Tim Wimborne)
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Laut Nationalbank erreicht die Wirtschaftsflaute erst 2009 ihren Tiefpunkt. Für das Jahr 2010 sehen die Notenbanker dann einen Rückgang der Teuerung auf 1,9 Prozent.

Wien (ju). Die Konjunktur gibt stärker als erwartet nach – und die überraschend heftig angesprungene Teuerung bleibt uns erhalten: Heuer wird sich die Inflationsrate jedenfalls beharrlich über der Drei-Prozent-Marke halten und im Jahresschnitt 3,1 Prozent erreichen, glaubt die Nationalbank (OeNB). Erst im nächsten Jahr könnte sie absinken, wird mit 2,4 Prozent aber immer noch über der Zielmarke (2,0 Prozent) der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen. Für das Jahr 2010 sehen die Notenbanker dann einen Rückgang der Teuerung auf 1,9 Prozent, wie es in einer am Montag veröffentlichten Mittelfristprognose der OeNB heißt.

3,1 Prozent Jahresinflation bedeutet, dass KESt-pflichtige Geldanlagen (beispielsweise Sparbücher) mit mindestens 4,2 Prozent verzinst sein müssten, um den Wert des Sparkapitals auch nur zu erhalten. Die Gründe für die exorbitant hohe Teuerung ortet die Notenbank im starken Ölpreisanstieg und in der explosionsartigen Verteuerung vieler Nahrungsmittel. Notenbank-Direktor Josef Christl hat für die inflationsgeplagten Österreicher freilich einen – wenn auch schwachen – Trost parat: Anderswo steigen die Preise noch kräftiger. Im EU-Schnitt wird die Inflationsrate heuer 3,4 Prozent betragen.

Übrigens: Die (T)Euro 08 trägt hierzulande nicht wenig zur Teuerung bei: Wegen geschmalzener Preiserhöhungen in Gastronomie und Hotellerie rechnet die OeNB im Juni mit einem zusätzliche Inflationsschub um 0,4 Prozent.

„Ölpreis wie in den Achtzigern“

Und noch etwas: Die Ölpreis-Ausrede zieht nur begrenzt: Wegen des Dollarverfalls liegt der Ölpreis in Euro laut Christl inflationsbereinigt derzeit auf dem Niveau der frühen achtziger Jahre.

Ihre Konjunkturerwartungen hat die Notenbank für die nächste Zeit deutlich zurückgenommen: Die heimische Wirtschaft werde heuer nur um 2,2 Prozent wachsen, im kommenden Jahr werde mit 1,7 Prozent Wachstum der Tiefpunkt der Flaute erreicht. Erst 2010 werde es mit einer Wachstumsbeschleunigung auf 2,4 Prozent wieder bergauf gehen. Mit der jetzigen Prognose hat die OeNB ihre bisherigen Voraussagen um 0,3 beziehungsweise 0,6 Prozent reduziert. Sie liegt jetzt allerdings ungefähr gleichauf mit den bisher veröffentlichten Konjunktur-Wetterberichten von IWF, Wifo und IHS. Mit einem Unterschied: Während die IWF-Experten davon ausgehen, dass die Konjunktur schon im Laufe des Jahres 2009 wieder anziehen werde, erwarten die Nationalbank-Prognostiker den Aufschwung nicht vor 2010.

Das von der Regierung angepeilte Nulldefizit 2010 ist bei solchen Daten jedenfalls in weite Ferne gerückt: Das Regierungsziel sei „ohne zusätzliche Maßnahmen nicht erreichbar“, urteilt die Notenbank.

auf einen blick

Die OeNB rechnet mit anhaltend hoher Teuerung. Im Gesamtjahr 2008 wird die Inflationsrate 3,1 Prozent erreichen.

Die Konjunktur wird laut OeNB stärker als erwartet einknicken und erst deutlich später als erwartet wieder anspringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2008)

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