Diplomatie: Wer Aufenthalte für Staatschefs (nicht) zahlt

Zur Euro kommen mehrere Regierungschefs, auf Einladung der Uefa und großteils eigene Kosten – nicht immer ganz freiwillig.

WIEN. Es war eine dezente und heikle Anfrage, die aus Warschau am Wiener Ballhausplatz landete: Ob Österreich nicht die Kosten für den EM-Besuch des polnischen Präsidenten und seines umfangreichen Gefolges übernehmen könnte? Dies sei doch international durchaus üblich. Die Frage wurde auf beiden Seiten des Platzes kurz erörtert, innerhalb der Bundesregierung dem Vernehmen sogar ein bisschen länger, dann wurde die dezente Antwort formuliert, deren Inhalt ebenfalls heikel war.

Für den Aufenthalt ausländischer Delegationen zahlt das jeweilige Land selbst, es sei denn, es handle sich um eine offizielle Einladung Österreichs – also um einen Staatsbesuch. Und ein EM-Besuch eines Regierungschefs ist kein solcher, sondern irgendwo zwischen Privat- und Freundschaftsbesuch anzusiedeln. So wird der Besuch von Präsident Lech Kaczynski anlässlich des Spiels Polen gegen Österreich zwar ein Treffen mit Bundespräsident Heinz Fischer beinhalten, aber eben kein Staatsbankett oder Programm. Ähnlich wird wahrscheinlich auch der mögliche Abstecher von Angela Merkel am Montag verlaufen: Plaudern mit Alfred Gusenbauer ja, großes Zeremoniell nein.

Eingeladen werden die Staatschefs übrigens meist von Uefa-Präsident Michel Platini selbst, die Uefa stellt auch die Karten zur Verfügung. Hotel- und Transportkosten werden in der Regel eben selbst bezahlt. Große Ausnahme sind die Sicherheitsmaßnahmen, deren Bereitstellung und volle Finanzierung der Gastgeber Österreich übernimmt: Sollte einer der großen EM-Favoriten wie Italien oder Frankreich ins Finale kommen, bringt dies mit ziemlicher Sicherheit auch einen Besuch von Nicolas Sarkozy und/oder Silvio Berlusconi – den entsprechenden Aufwand für ihre Sicherheit inklusive.

Wie zu hören ist, könnte Angela Merkel erst später anreisen – nach dem deutschen Auftaktspiel ist die Wahrscheinlichkeit für Viertelfinale, Semifinale und Grand Finale bereits gestiegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2008)

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