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Euro 08: Der Weltmeister ist entzaubert

(c) AP (Niklas Larsson)
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Gruppe C. Die Niederlande fertigen Italien im ersten großen Schlager mit 3:0 ab. Sneijder und van Nistelrooy spielen groß auf.

BERN (mfi). „Sie haben praktisch keine Schwächen. Manche Gegner sind verwundbar, Italien ist es nicht.“ Der niederländische Stürmerstar Ruud van Nistelrooy hatte sich vor dem ersten großen Schlager der Euro gegen Italien geradezu ehrfürchtig gezeigt. Doch dieses eine Mal konnte sich der Weltmeister nicht auf seine berühmt-berüchtigte Defensive verlassen. Zum einen fehlte im Berner Wankdorfstadion ihr wichtigster Protagonist, Fabio Cannavaro, wegen seiner im ersten Training in der Südstadt erlittenen Knöchelverletzung. Zum anderen zeigten sich die Herren Materazzi, Barzagli und Zambrotta in Regelkunde nicht ganz sattelfest. Sie stellten in der 26. Minute eine Abseitsfalle, die zwar zuschnappte, doch von ihrem außerhalb des Spielfeldes liegenden Mitspieler Panucci aufgehoben wurde. Van Nistelrooy konnte somit seelenruhig aus fünf Metern zum 1:0 einschieben.
Ausgangspunkt der kuriosen Szene bildete ein von van der Vaart getretener Freistoß, den Keeper Buffon klärte, dabei aber gleichzeitig auch Panucci aus dem Spielfeld wuchtete . . .

Sekunden später zappelte der Ball im Netz. Der schwedische Schiedsrichter Fröjdfeldt gab den Treffer trotz heftiger Proteste der Italiener ohne zu zögern. Schwacher Trost für die Squadra Azzurra: Nahezu alle Fans, Experten, Journalisten und Ex-Internationalen auf der Tribüne kannten die genaue Anwendung der Abseitsregel in diesem seltenen Fall auch nicht.

So umstritten der Treffer auch war, er fiel nicht unverdient. Die Holländer bemühten sich, angetrieben von Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart, von der ersten Minute an mehr ums Spiel und hätten schon nach 17 Minuten durch van Nistelrooy in Führung gehen müssen. Doch der Stürmerstar wurde nach Idealzuspiel von Kuyt im letzten Moment entscheidend von Buffon behindert. Wäre er zu Boden gegangen, hätte es wohl Elfmeter gegeben. So aber verdiente sich van Nistelrooy nur den Fairness-Preis.

Nur fünf Minuten nach dem Führungstreffer gab es schon den nächsten Aufreger. Van Bronckhorst klärte nach einem Eckball auf der Linie, leitete selbst einen Konter ein, an dessen Ende der überragende Sneijder das 2:0 markierte. Damit nicht genug, hätte der Real-Madrid-Star seinem Klubkollegen van Nistelrooy beinahe auch noch das 3:0 serviert, doch der 31-Jährige scheiterte an Buffons Beinen (43.).

Italien agierte in der Viertelstunde vor der Pause außer Rand und Band, wobei nicht nur die Defensive (Zambrotta, Materazzi) schwächelte. Auch Solospitze Luca Toni, Camoranesi oder Pirlo konnten offensiv keine Akzente setzen. Wenn Gefahr entstand, dann am ehesten durch di Natale.

Toni vergibt größte Chance


Nach dem Wechsel verstärkte der Weltmeister seine Offensivbemühungen, vermochte die von Mathijsen glänzend organisierte Abwehr zunächst aber nicht wirklich zu gefährden. Nach einer guten Stunde brachte Teamchef Donadoni endlich Alessandro del Piero, doch auch der Altstar blieb bei zwei Schüssen gegen van der Sar nur zweiter Sieger. Der Goalie lief in der Folge zur Höchstform auf und rettete gegen Grosso und Pirlo mit Glanzparaden. Toni scheiterte hingegen bei der größten Chance stümperhaft an seinem eigenen Unvermögen. Er lupfte völlig freistehend den Ball über van der Sar.

Es kam, wie es kommen musste: Einen Konter über van Bronckhorst und Kuyt schloss Ersterer zur endgültigen Entscheidung ab (79.). Fazit: Eine großartige Leistung der Niederländer, die damit schlagartig vom Geheimfavoriten zum Topfavoriten aufstiegen.