Solche ÖVP-Sorgen um den roten Zgonc

Vizekanzler Molterer will nur Gusenbauer als seinen Regierungspartner. Das sagt viel über die triste Situation der SPÖ und auch der ÖVP.

Falls es noch irgendeines Beweises bedurft hätte, wie ungemütlich es für Sandkisten-Kanzler Alfred Gusenbauer mittlerweile in der SPÖ geworden ist, dann wurde dieser spätestens am Dienstag erbracht. Jetzt muss sogar schon der Obmann der ÖVP ausrücken, um den SPÖ-Vorsitzenden gegen das Mobbing der eigenen Genossen in Schutz zu nehmen. „Mein Partner heißt Alfred Gusenbauer“, rief Wilhelm Molterer den sudernden SPÖ-Funktionären zu. Nur das legendäre „in aller Klarheit“ von Ex-FPÖ-Vizekanzler Herbert Haupt hat noch gefehlt.

Damit wirklich alle bis zum Portier in der westlichsten SPÖ-Landesparteizentrale verstehen, wie ernst es der ÖVP-Obmann meint, hängte er noch drohend irgendetwas von „Situation neu bewerten“ an, was immer das für die Zukunft der Koalition genau bedeuten mag. Wenn das aber alles immer noch nichts nützt, hilft wohl nur mehr eine Cover-Version des Uralt-Schlagers „Wahre Freunde“ mit dem Duo Molterer/Gusenbauer.

Der ÖVP-Chef wirft sich freilich nicht ganz uneigennützig für seinen „Partner“ ins Zeug. Einen besseren Hilfsarbeiter, der die Schwächen der ÖVP kaschiert, findet der ÖVP-Obmann so schnell nicht mehr. Gusenbauer ist eine Art Überlebensversicherung für Molterer selbst. Deswegen macht er sich solche Sorgen um den roten Zgonc. Jetzt fehlt nur mehr eine schwarze Wahlwerbeempfehlung: Raunz' nicht, wähl' – SPÖ! (Bericht: S. 3)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2008)

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