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ORF: „Das führt direkt zu Gebührenerhöhung“

ORF verliert Werbeeinnahmen.

Eben wurde das ORF-Programmentgelt erhöht – schon warnt Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-„Freundeskreises“: „Wir müssen den ORF verändern, um ihn zu erhalten. Eine Fortführung des bisherigen Weges führt direkt zu Gebührenerhöhung in immer kürzeren Abständen.“ Die Konkurrenz am Werbemarkt, die Prüfung des ORF durch EU und Rechnungshofs würden „nicht ohne Folgen bleiben“. Dem Vernehmen nach liegen die Werbeeinnahmen im 1. Quartal 2008 um fünf Millionen Euro unter Plan – was u.a. an den miserablen Quoten liegt (36,6% TV-Marktanteil im Mai).

Heute, Mittwoch, wird im Stiftungsrat die Finanzlage diskutiert. Der ORF hat 2007 mit einem Bilanzgewinn von 35 Mio.€ und Rücklagen von mehr als 90 Mio.€ beendet: „Die Geschäftsführung bekommt eine Prämie, gleichzeitig werden die Gebühren um 45 Millionen Euro erhöht – wegen angeblicher Unterfinanzierung des Unternehmens“, kritisiert Medwenitsch. Laut einem Bericht des „Kurier“ will die Geschäftsführung ein Zeichen setzen – und auf ein Drittel der Erfolgsprämien verzichten.

Für den Leiter des SP-„Freundeskreises“, Karl Krammer, geht es in der Diskussion „nicht nur ums Sparen, es geht um Akzentsetzungen“ – für 13.September sei eine Strategieklausur geplant. Er will heute im Plenum außerdem die Frage nach Qualitätskontrolle und öffentlich-rechtlichem Inhalt von TW1 stellen. „Auch wenn TW1 eine private Struktur hat: Öffentlich-rechtlich ist ja auch ein Qualitätsbegriff, der muss garantiert werden. Da werden Formate geschöpft außerhalb des Gesamtschemas und außerhalb des Stiftungsrats“, kritisiert Krammer. „Ich finde es bemerkenswert, dass dort jemand ein Format gestalten darf, der gleichzeitig vor dem Bundeskommunikationssenat gegen den ORF herzieht.“ Die Rede ist von Karin Resetarits. Krammer: „Da ist schon ein bissl Diskussionsbedarf.“ i.w.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2008)