Eine Hauslösung im Kunsthistorischen Museum: Sabine Haag folgt auf Generaldirektor Wilfried Seipel. Ministerin Claudia Schmied zeigt Mut.
Sabine wer?“, werden sich einige fesche Museumsdirektoren gefragt haben, als die erst vor einem halben Jahr zur Kunstkammer-Direktorin gekürte Frau Haag als künftige Chefin des größten Museumskomplexes in Österreich vorgestellt wurde. Die gelernte Kunsthistorikerin und Anglistin hat sich nicht einmal um den Posten beworben. Ministerin Schmied, die illustre Männer als Kandidaten vorsprechen ließ, entschied sich in einem bemerkenswerten Solo für Haag. Ähnlich spektakulär war auch vor einem Jahr der in diesen Breiten kaum bekannte Dominique Meyer zum Staatsopernchef bestellt worden. Die pfeift sich nichts, diese SPÖ-Politikerin. Sie liebt einsame Entscheidungen.
Frauenpower also für das KHM. Meine Herren, bitte keine Mieselsucht! Einiges spricht für diese Lösung einer Prima inter pares. Haag garantiert Kontinuität. Die dreifache Mutter arbeitet seit 1990 am KHM – so lang also wie der scheidende Chef, und zwar in der Kunstkammer. Die war seit Jahren nicht zugänglich und muss um viele Millionen erneuert werden. Das ist eher ein Problem für Schmied und Finanzminister Molterer.
Haag hat den Sachverstand für dieses größte Projekt der nächsten Jahre. Dass jemand das Charisma besitzt, die Schar der Hofräte im Supertanker KHM zu motivieren und zugleich dem Haus das von Seipel geschaffene internationale Flair zu bewahren, kann ohnehin nur der Feldversuch beweisen. (Bericht: S. 41)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2008)