Der steirische ÖVP-Chef Schützenhöfer rät im Gespräch mit der "Presse" zu Koalition mit „Fritz“.
Die Presse: Was hat Fritz Dinkhauser, was die Tiroler ÖVP nicht hat?
Hermann Schützenhöfer: Dinkhauser ist ein hemdsärmeliger Typ, der die Sprache des Volkes spricht. Man hat ihn in den vergangenen eineinhalb Jahren erfolgreich von einem Regierungsamt fern gehalten. Er war manchen wohl zu stark. Als Folge musste man diese Niederlage für die ÖVP erwarten.
Droht der Partei eine Zerreißprobe?
Schützenhöfer: Wenn man eine Wahl verliert, ist es immer eine Zerreißprobe. Aber es besteht kein Grund zur Panik. Die Frage ist, ob es einen inneren Reiningungsprozess gibt oder eine Selbstzerfleischung. Man muss sich jetzt in Tirol eine offenherzige Debatte ohne faule Kompromisse antun, auch um sich selbst wieder in den Spiegel schauen zu können.
Die ÖVP neigt aber dazu, Niederlagen als Wähler-Irrtum abzutun.
Schützenhöfer: Wer die Stimmen für Fritz Dinkhauser als Irrtum versteht, bereitet schon die nächste Niederlage vor. Wichtig ist, dass die ÖVP jetzt nicht die falschen Signale Richtung Dinkhauser sendet. Ich habe die Hoffnung, dass beide wieder zusammenfinden.Wir gehören ja auch zusammen.
Dinkhauser schließt eine Zusammenarbeit mit van Staa aus. Wäre Günther Platter eine Option?
Schützenhöfer: Ich werde mich hüten, den Tirolern von Berggipfel zu Berggipfel Grüße auszurichten. Dass sowohl Platter als auch Elisabeth Zanon exzellente Tiroler Politiker sind, steht außer Zweifel. Ebenso klar ist aber auch, dass die ÖVP auf Dinkhauser zugehen muss.
Und ihm auch den Vortritt als Landeshauptmann lässt?
Schützenhöfer: Das ist schwer vorstellbar. Immerhin sind wir mit 40 Prozent doppelt so stark wie der Zweite. Es muss doch ein Weg gefunden werden, bei dem persönliche Befindlichkeiten hintan gestellt werden. Es wäre eine Koalition, die man den Menschen erklären kann. Ich hoffe nicht, dass in der ÖVP die Meinung herrscht, ein kleinerer Partner tut's auch.
Welche bundespolitischen Auswirkungen erwarten Sie?
Schützenhöfer: Das Ergebnis darf niemand übersehen. Die Regierung ist derzeit für Herausforderer ein gefundenes Fressen. Sie vermittelt nicht, dass sie Antworten auf die sozialen Fragen hat.
Sie sind seit Jahren ein Mahner in Sachen Soziales. Werden Ihre Warnungen nicht gehört?
Schützenhöfer: Um das zarte Pflänzchen der sozialen Gerechtigkeit zu gießen, wird es nötig sein, Politik nicht nur mit Verstand, sondern auch mit dem Herzen zu machen.
Hat die ÖVP zu wenig Herz und zu viel Verstand?
Schützenhöfer: Wir haben sehr gescheite Leute in der Bundesregierung. Und unsere eigenen Schwächen werden von der Schwäche Alfred Gusenbauers überlagert. Aber es ist für mich unvorstellbar, dass er bis 2010 durchhält.
ZUR PERSON
Hermann Schützenhöfer ist seit 2006 Chef der steirischen ÖVP, die er in einer tiefen Krise – nach dem Wechsel zur SPÖ im Land – übernahm. Der ÖAABler ist erklärter Verfechter der „sozialen Gerechtigkeit“. [Bruckberger]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2008)