Finanzmarktaufsicht: Immer mehr Fälle von Insiderhandel

(c) APA (Harald Schneider)
  • Drucken

Die FMA sieht mehr „Börse-Gaunereien“ und zieht Lehren aus dem Meinl-Skandal.

Wien (ju). Die Zahl der „Börse-Gaunereien“ nimmt in Österreich stark zu: Wie aus dem gestern, Mittwoch, präsentierten Jahresbericht 2007 der Finanzmarktaufsicht (FMA) hervorgeht, hat die heimische „Finanz-Polizei“ im Vorjahr 20 Voruntersuchungen wegen Delikten wie Marktmanipulation, Insiderhandel und Handelsregelverstöße eingeleitet. Ein Jahr davor waren es erst 11 Voruntersuchungen gewesen. Von den 20 Voruntersuchungen mündeten immerhin 14 in formalen Untersuchungen.

Der rasante Anstieg hat auch, aber bei weitem nicht nur damit zu tun, dass das Kontrollnetz der FMA immer dichter werde, meinte FMA-Vorstand Kurt Pribil. Auch die Zahl der Regelverstöße steige rasant. Vor allem die Insider-Fälle nähmen zu – und sie würden immer internationaler. „Das ist eine echte Herausforderung für die Aufseher“, meinte Pribil.

Insgesamt wurden 2007 fünf Untersuchungen wegen Insiderhandels eingeleitet. Zwei wurden bisher eingestellt, einer wurde zum Fall für den Staatsanwalt.

Augenmerk auf Jersey-Firmen

Keine Auskunft durften die beiden FMA-Vorstände Pripil und Helmut Ettel zum Meinl-Börseskandal geben, der im Vorjahr Thema Nummer eins unter Anlegern war. Wie berichtet waren mehrere Manager aus dem Meinl-Umkreis wegen irreführender ad-Hoc-Meldungen zu (ohnehin mickrigen) Geldstrafen verknackt worden. Sie haben aber berufen – und über ein anhängiges Verfahren darf die FMA nicht reden.

Nur so viel: Man habe aus „fragwürdigen Aktionen“ des Vorjahres natürlich Lehren gezogen. Man sei dabei, „das Netz noch feinmaschiger und effizienter“ zu gestalten, arbeite an einer Stärkung der internationalen Zusammenarbeit und prüfe die Möglichkeit, in Wien notierende Jersey-Unternehmen zur Annahme österreichischer Transparenzstandards zu zwingen.

Wie berichtet ist die Meinl European Land (ebenso wie die anderen beiden Meinl-Unternehmen MIP und MAI) offiziell auf Jersey registriert, obwohl die Geschäftstätigkeit ziemlich offenkundig von Wien ausgeht und für den Jersey-Briefkasten auf den Unternehmens-Webseiten nicht einmal eine Telefonnummer zu finden ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.