USA. Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey ist laut „Forbes“ die einflussreichste Prominente der Welt. Die 54-Jährige macht Bestseller, Millionäre – und möglicherweise Barack Obama zum neuen Präsidenten.
Wenn sie am Mittwoch ein Buch empfiehlt, ist es am Sonntag auf Platz eins der „New York Times“-Bestsellerliste; wenn sie einen raffinierten Kirsch-Entkerner vorstellt, ist er am nächsten Tag US-weit ausverkauft; und wenn sie befindet, dass Maui die schönste der Hawaii-Inseln ist, steigen die Immobilienpreise.
Keine andere Person hat gesellschaftlich in den USA einen derart großen Einfluss wie Oprah Winfrey. Die 54-Jährige ist Moderatorin der meistgesehenen TV-Talkshow der Welt. Sieben Millionen Menschen schalten allein in den Vereinigten Staaten jeden Nachmittag ihre Sendung „The Oprah Winfrey Show“ ein. Weitere 2,4 Millionen kaufen monatlich „O – The Oprah Magazine“. Die Fangemeinde massiert sich zu einer Macht, die das Magazin „Forbes“ dazu veranlasste, Oprah Winfrey jetzt zum zweiten Mal in Folge zur einflussreichsten Prominenten der Welt zu wählen (vor Golfstar Tiger Woods und Schauspielerin Angelina Jolie) und mit Jahreseinnahmen von 275 Millionen Dollar zur bestverdienenden.
Unterstützung für Obama
„Sie ist wie der Papst“, sagt Janice Peck, Medienprofessorin und Autorin des Buches „The Age of Oprah“. Tatsächlich hat das, was Oprah sagt, für Millionen Hausfrauen ähnliches Gewicht wie eine päpstliche Bulle für Katholiken. Sie ist Wegweiser in einer Zeit der Orientierungslosigkeit und gibt Dingen Bedeutung, von denen man gar nicht wusste, dass sie bedeutend sind.
Oprah, wie sie allgemein genannt wird, macht aber nicht nur Bestseller und Millionäre. Möglicherweise macht sie heuer sogar einen US-Präsidenten. Die Milliardärin („Forbes“ schätzt ihr Privatvermögen auf 2,5 Milliarden Dollar) ist Anhängerin des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Schon im Vorwahlkampf trat sie gemeinsam mit dem Senator aus Illinois auf und lockte nie zuvor gesehene Massen zu seinen Veranstaltungen.
„Es hat nichts mit der Rasse zu tun“, erklärte die Afro-Amerikanerin ihre Unterstützung für den Sohn eines kenianischen Vaters. „Er ist einfach brillant. Wir brauchen Barack Obama. Er weiß, wer wir sind und was wir sein können.“
Wie leicht die 54-Jährige Stars machen und vernichten kann, zeigte sie in ihrer fast 30-jährigen Karriere mehrmals. Da ist beispielsweise der Geschworenenexperte Phil McGraw, den sie für ein Verfahren angeheuert hatte. Nach ihrem Sieg lud sie ihn in die Show ein und plötzlich war McGraw ein „Beziehungs- und Lebensberatungsexperte“. Mittlerweile hat er seine eigene TV-Show („Dr. Phil“) und produziert mit Oprahs Hilfe Bestseller um Bestseller unter anderem über richtige Ernährung (obwohl er selbst übergewichtig ist).
Tom Cruise als Lachnummer
James Frey dagegen zog sich den Zorn der Talkshow-Göttin zu. Oprah hatte zuerst seine Autobiografie „Tausend kleine Scherben“ über seine Kampf gegen Alkoholismus und Drogen tränenreich in ihrem Buchklub angepriesen und damit zum Bestseller gemacht. Doch dann musste Frey eingestehen, dass Teile seines bewegten Lebens frei erfunden sind. Die fuchsteufelswilde Oprah zwang den Verlag („Doubleday“) dazu, enttäuschten Lesern das Geld für das Buch zurückzuerstatten.
Tom Cruise machte sich für Oprah zur Witzfigur, als er vor einigen Jahren auf dem Sofa hüpfend und Jubelschreie ausstoßend seine Liebe zu Katie Holmes enthüllte. Seither versucht der Schauspieler, sein Image wiederherzustellen – nicht zuletzt mit normaleren Auftritten bei Oprah.
Hinter der oberflächlichen Unterhalterin steckt freilich eine bemerkenswerte Karriere und eine große Philanthropin. Winfrey wurde 1954 im rassistischen Mississippi geboren und wuchs in Armut bei ihrer Großmutter auf. Ab dem Alter von neun Jahren wurde sie von ihrem Cousin, einem Onkel und einem Bekannten sexuell missbraucht. Mit 14 Jahren gebar sie einen Sohn, der bald starb.
In wenigen Monaten auf Platz eins
Ihre steile Karriere begann 1983, als sie als 29-Jährige eine lokale TV-Morgenshow namens „AM Chicago“ übernahm. In nur wenigen Monaten brachte sie die Show vom letzten Platz im Zuschauerranking auf den ersten. 1986 bekam die Show ihren Namen, ging US-weit auf Sendung und arbeitete sich auch hier auf den ersten Platz vor – unter anderem mit Werbegags wie dem, allen Live-Zuschauern im Studio ein brandneues Auto zu schenken.
Mit ihren Millionen kauft Oprah nicht nur Häuser auf Maui und in Florida, sondern baut unter anderem Schulen für benachteiligte Mädchen in Südafrika. Innerhalb der USA hilft ihr „Angel Network“ vor allem afro-amerikanischen Frauen. Laut des Magazins „Business Week“ spendete Oprah bisher 300 Millionen Dollar aus ihrem Privatvermögen für humanitäre Zwecke.
Und auch ihre Betriebsausflüge können sich sehen lassen. 2006 charterte sie sechs Boeings und flog ihre Mitarbeiter samt Familien, insgesamt mehr als 1000 Menschen, für einen Urlaub nach Hawaii.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2008)