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Zivilcourage: Die Entscheidung fällt erst im Ernstfall

Was wörtlich übersetzt „fröhliches Schlagen“ heißt, hat gravierende Folgen – für Opfer ebenso wie für Täter.

WIEN. Bei „Happy Slapping“ (=fröhliches Schlagen) ist gar nichts fröhlich: Es ist eine gezielte, gewalttätige Attacke auf unbeteiligte Menschen.

Meist werden die Opfer zufällig ausgewählt. Der Übergriff findet unerwartet statt und meist an nicht belebten Schauplätzen. Die Opfer werden psychisch, häufig auch körperlich attackiert. Diese Szenen werden vor allem mit Handys, seltener mit Videokameras gefilmt. Die Täter verschwinden nach ihren Anschlägen und überlassen ihre verstörten, häufig auch schwer verletzten Opfer allein ihrem Schicksal. Danach werden die Filme ins Internet gestellt oder mit Handys verbreitet.

Sowohl das Empfangen, Weiterleiten wie auch das Beobachten von „Dreharbeiten“ kann Folgen nach sich ziehen (siehe nebenstehenden Artikel). Nicht das Opfer hat Grund sich zu schämen, sondern die Täter.


Wenn uns der Mut verlässt

Im Mittelpunkt steht dabei auch, wie wir – Mitschüler, die Augenzeugen werden – mit solchen Situationen umgehen. Es mag vielleicht bequemer sein, einfach weg zu schauen – aber das ist nicht der richtige Weg.

Manchmal überlegt man sich im Vorhinein, wie man beim Beobachten einer solchen Tat reagieren könnte. Doch ob man dann tatsächlich so handelt, entscheidet sich erst im Ernstfall. Vor Eintreten einer konkreten Situation ist Zivilcourage für uns etwas Selbstverständliches. In der Realität verlässt uns dann leicht der Mut und man schafft es nicht, nach seinen Prinzipien zu handeln – es erscheint einfacher, weg zu schauen.

Lustig ist das genauso wenig wie das „fröhliche Schlagen“ – am wenigsten für jene, die zu Opfern der Attacke werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2008)