Philharmoniker, völlig entstaubt

Die Absage des erkrankten Franz Welser-Möst hat den Philharmonikern einen kleinen Strich durch ihre programmatische Rechnung gemacht.

Einspringer Christoph Eschenbach wollte weder Gottfried von Einems „Philadelphia Symphony“ noch Antonín Dvoráks selten gespielte Fünfte dirigieren, sondern wechselte zu häufig aufgeführten Bravour-Stücken. Er ist interessanterweise auch einer der wenigen unter den philharmonischen Maestri, die in der kommenden Saison ein Programm klassischen Zuschnitts gewählt haben. Fast alle anderen gehen mit den Musikern ihren Erkundungsweg durch die Weiten des Repertoires mit. Welser-Möst kehrt beispielsweise als Dirigent des Jubiläumskonzertes aus Anlass des 150.Geburtstags des Singvereins wieder und dirigiert neben Schuberts Es-Dur-Messe auch ein Auftragswerk, das Thomas Adés komponiert.

Die Abonnementkonzerte präsentieren einen faszinierenden Querschnitt durch den stilistischen Reichtum der Moderne und Postmoderne. Ob Riccardo Muti Verdi mit Musik von Nino Rota kombiniert, Daniele Gatti und Xavier de Maistre das Harfenkonzert André Previns vorstellen oder Daniel Barenboim als Dirigent und Solist de Fallas „Nächte in spanischen Gärten“ mit Eliot Carters „Soundings“ konfrontiert, stets ist auch für Neugierige etwas dabei.

Valery Gergiev und Pierre Boulez holen zum Abschluss der Saison, im Mai 2009, zum Doppelschlag aus und präsentieren ein Kaleidoskop unterschiedlichste musikalischer Emanationen der Zeit um 1900, Sibelius' Erste, Strawinskys „Feuervogel“, Debussys „Nocturnes“, das Erste Violinkonzert von Karol Szymanowski (mit Christoan Tetzlaf) und Skrjabins „Poeme de l'extase“.

Und während sich Konzertmeister Rainer Küchl (mit Christian Thielemann) des selten gespielten Violinkonzerts von Robert Schumann annimmt, kommt ein Geiger aus philharmonischen Reihen als Komponist zum Zug: René Staars „Just an accident“ wird am 16.November unter Daniel Hardings Leitung uraufgeführt. Nali Gruber erinnert im Oktober im Konzerthaus an eine denkwürdige philharmonische Begegnung beim Festival von Luzern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2008)

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