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Führungswechsel: Das neue Gesicht der SPÖ

(c) AP (Hans Punz)
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Werner Faymann gilt nicht als Ideologe, doch jetzt soll er linke Positionen schärfen. Bürgermeister Michael Häupl hat sich gegen die Ämtertrennung ausgesprochen.

Wien. Die SPÖ hat einen neuen Vorsitzenden. Alfred Gusenbauer, seit Wochen parteiintern unter Beschuss, hat in einem Befreiungsschlag seinen Verkehrsminister Werner Faymann (48) als neuen geschäftsführenden Parteichef installiert. Damit will Gusenbauer seinen Kritikern Wind aus den Segeln nehmen und Bundeskanzler bleiben – und zwar über die nächste Wahl hinaus: Der Spitzenkandidat der SPÖ bei der nächsten Nationalratswahl heißt Alfred Gusenbauer, verkündete Faymann sofort.

Doch wer ist dieser Werner Faymann, den man in seinen eineinhalb Jahren als Verkehrsminister hauptsächlich aus Boulevardzeitungen herauslächeln gesehen hat? Kann er die SPÖ aus der Krise führen? Bisher hat er sich gekonnt das Image des smarten und verbindlichen Politikers gegeben, der pragmatisch agiert und nirgendwo aneckt. Trotzdem hat er sich in seiner Partei, der Wiener SPÖ, in seiner Zeit als Wohnbaustadtrat viele Feinde gemacht – was wohl hauptsächlich an seinem unverhohlenen Ehrgeiz liegt. Ein Michael Häupl hat es eben nicht gern, wenn sich einer als sein Kronprinz betrachtet. So blieb ihm auch die angestrebte Position des Wiener Finanzstadtrats versagt.

Auch jetzt ist Häupl über das Avancement seines Wiener Parteikollegen nicht unbedingt glücklich. Im Parteipräsidium Montag Vormittag intervenierte er heftig gegen die von Gusenbauer vorgeschlagene Trennung der beiden Funktionen. Ob es Faymann und Gusenbauer gut tun wird, den mächtigen Wiener Bürgermeister bei dieser Entscheidung nicht mit an Bord geholt zu haben, wird sich noch zeigen. Verhindern hätte Häupl diese Lösung aber wohl nur können, wenn er selbst angetreten wäre – und das wollte sich der starke Mann der österreichischen Sozialdemokratie denn doch nicht antun.

Ob Faymann für die oft geforderte Schärfung linker Positionen in der SPÖ sorgen wird, darf bezweifelt werden. Denn er ist kein Ideologe, kein Parteipolitiker. Er ist zwar in der Sozialistischen Jugend und in der Mietervereinigung groß geworden. Dass er deswegen eine große soziale Ader hätte oder sich mit klassisch sozialistischem Gedankengut abquälte, ist nicht bekannt. Im Gegenteil: Faymann hält sich bei solchen Grundsatzdiskussionen auffällig zurück. Allzu strikte Positionierungen würden wohl auch die Linie eines Strategen durchkreuzen, der gerne über die Parteigrenzen hinweg zum Ziel kommt. Schon als Wiener Wohnbaustadtrat zeigte Faymann, wie man nicht nur mit der brustschwachen Wiener ÖVP, sondern auch mit der Wiener Baulobby gut zusammenkommen kann.


Gute Kontakte zum Boulevard

Vor allem aber baute sich Faymann eine Brücke zu Hans Dichand und der Kronen Zeitung. Sein früherer Pressesprecher Werner Jansky (Partner von nunmehr Ex-Frauenministerin und wieder SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures) ist zudem gemeinsam mit Eva Dichand Geschäftsführer der Gratis-Tageszeitung „Heute“. Faymann soll bei der Gründung des Blatts nicht unbeteiligt gewesen sein. Ein intensives medienpolitisches Engagement im Sinne des „Krone“-Herausgebers, das manchem Genossen im Rathaus denn doch zu weit ging. Faymann bringt es positive Schlagzeilen in den Boulevardmedien, die gleichzeitig über Negatives – etwa die von ihm veranlasste und sehr teure Ablöse der Asfinag- und ÖBB-Vorstände – gnädig hinweg sehen.

Als Faymann vergangenen Jänner zum Infrastrukturminister avancierte, waren die Reibereien in der Wiener SPÖ Vergangenheit. Seinen Stil änderte er trotzdem nicht. Schon bald galt Faymann als (einziger) Verbindungsmann zur ÖVP. Als SPÖ-Parteichef wird er nun wohl eher den Konflikt suchen müssen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2008)