Ein Abend zwischen VIPs: Gewinnen oder feiern

(c) APA (Robert Jaeger)
  • Drucken

Euphorie beim Empfang eines deutschen Verlegers in der Hofburg. Trauer in der ÖFB-Botschaft im Kursalon Hübner.

Veranstaltungen mit deutschen Prominenten in Österreich sind an einem Punkt ganz schnell zu erkennen. Daran nämlich, dass Fotografen beider Nationen (die Österreicher und die deutschen Kollegen aus den Redaktionen von „Gala“, „Bunte“ oder „Bild“) nebeneinander stehen und sich wechselseitig ein leises (im österreichischen Fall manchmal auch ein unangenehm lautes) „Wer ist das?“ zuraunen. Dann weiß man, es ist wieder so weit: Die deutsch-österreichische VIP-Welt trifft aufeinander, wie sonst nur in Kitzbühel oder Salzburg.

Da erkennt dann also der Kollege von der „Bunten“ die heimische Durchschnittsprominenz wie etwa Birgit Sarata und ihren Marmeladenkönig Hans Staud nicht (oder zumindest nicht auf Anhieb) und die Austro-Kollegen wissen nichts mit Florian Langenscheidt, dem deutschen Verleger und Ururenkel des Verlagsgründers Gustav Langenscheidt, anzufangen.

Am Montag war jedenfalls die Klientel beider Fotografenteams in der Hofburg vertreten. Dorthin und zum „Wiener Treff“ anlässlich des Österreich-Deutschland-Spielsgeladen hatten die Verleger Manfred Schmidt und Detlef Prinz. Zwei Männer, die man hierzulande eher nicht kennt. Das zaghafte „Ich würde gerne wissen, wieso die mich eingeladen haben“, hörte man an diesem Abend öfter. Irgendwann schien das Rätsel gelöst: Der Wiener Lokalbetreiber und „Motto“-Chef Bernd Schlacher habe dem deutschen Verleger-Paar beim österreichischen Teil der Gästeliste geholfen, hieß es. Beim deutschen Part halfen sie sich offenbar selbst.

Die in ihrer Heimat ohnehin omnipräsenten Schauspielerinnen Veronika Ferres und Maria Furtwängler waren ebenso da wie eine große Zahl von Managern der RTL Group, die – angeführt von den Österreichern Hans Mahr und Gerhard Zeiler – von ihrem Quartier, dem Hotel Sacher, in die Hofburg spazierten. Und leider schon wieder weg waren, als jene Frau ankam, wegen der das Gros der Fotografen an diesem Abend in die Hofburg gekommen war. Denn als die deutsche Kanzlerin Angela Merkel mit viel Verspätung um 20 Uhr ankam, waren all jene, die eine Karte für das Match im Praterstadion hatten, längst wieder weg.


Frau Merkel und ihr Kollege Gusenbauer mussten dann vor einer großen Sponsorenwand (Stichwort: Tiroler Nussöl trifft Quelle-Katalog) ihr schönstes Blendamed-Lächeln zeigen und ihren Tipp für das Spiel (beide: 2:1 für ihr Land) in Dutzende Kameras sagen, bevor sie gemeinsam ins Stadion eskortiert wurden. Zurück blieben einige wenige Deutsche, die sich ihre Mägen mit Mini-Tafelspitz und Schnitzel füllten. Die geladenen Österreicher, die keine Matchkarten hatten, zogen noch vor Spielbeginn weiter ins Burgtheater – dort ist man unter sich. Gewinnen können die Deutschen vielleicht, Feste feiern nicht ganz so gut.

Im offiziellen Party-Hauptquartier des Österreichischen Fußballbund in Hübners Kursalon, war die Stimmung nach dem Spiel dann auch nicht mehr wie davor: Hier hatten doch viele auf einen Sieg gesetzt und waren wegen der Niederlage erst gar nicht mehr gekommen. Das hätte auch das müde und traurige EM-Team machen wollen, die sich dann aber tapfer von ein paar Dutzend Gästen beklatschen und anfeuern ließen. Alfons Haider war am lautesten...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.