Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

ORF: „Von Hochkultur bis Heidenspaß“

(c) AP (Kerstin Joesson)
  • Drucken

Der Rundfunk zeigt Kultursommer-Happen aus Wien, NÖ, Mörbisch, Salzburg. Wiederaufnahmen lässt er aus. Auf Kultur in HDTV müssen ORF-Seher noch warten.

Erst wenn Peter Simonischek das „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ lässt, filmt der ORF wieder auf dem Domplatz: „Es ist mit Salzburg besprochen, dass wir wieder aufzeichnen, wenn es einen neuen Jedermann gibt“, sagt ORF-Kulturchef Martin Traxl der „Presse“. „Angekündigt ist er für nächstes oder übernächstes Jahr“, heuer läuft noch die Inszenierung von Martin Kusej mit Sven-Eric Bechtolf als Teufel, Sophie von Kessel als Buhlschaft. Simonischek will sich nach dem Sommer entscheiden, ob er noch ein Jahr bleibt, heißt es. „Sobald der Neue kommt, möchten wir auch wieder dabei sein“, sagt Traxl.

Dieses Auch-wieder-Dabeisein bedeutet aber nicht, dass heuer gar keine ORF-Trucks nach Salzburg rollen. „Wir haben die Premiere von Charles Gounods ,Romeo und Julia‘. Außerdem Verdis ,Otello‘ von der vierten oder fünften Vorstellung live-zeitversetzt.“


„Keine 300Euro Eintritt im ORF“

„Eventuell bekommen wir auch noch eine dritte Oper aus Salzburg“, kündigt der Kulturchef an. „Ich sehe darin auch die Aufgabe zur Demokratisierung von Hochkultur-Events. Unsere Zuseher müssen keine 300Euro pro Karte bezahlen.“

Mit den Worten „von Hochkultur bis Heidenspaß“ springt Traxl von der Salzach an den Neusiedler See: Auch die Operetten-Premiere der Festspiele in Mörbisch wird übertragen. Die heißt heuer „Im Weißen Rössl“ mit Rainhard Fendrich, Zabine Kapfinger, Klaus Eberhartinger. Auf Bregenz verzichtet man, dort gibt es die Wiederaufnahme der „Tosca“, die der ORF schon vergangenen Sommer im Programm hatte.

Die Übertragungen 2007 hatten zwischen rund 600.000 („Wiener Blut“, Mörbisch) und 150.000 („Eugen Onegin“, Salzburg) Zuseher. „Erfreulich“ findet Traxl die Zuseherquote des Schönbrunn-Konzerts der Philharmoniker von Anfang Juni: „Es zeichnet Österreich aus, dass man mit einem solchen Hochkultur-Programm 20 Prozent Marktanteil erreichen kann.“ Eine „große Show“ verspricht er für Freitag in einer Woche: Da zeigt der ORF das Konzert von Placido Domingo, Anna Netrebko, Rolando Villazón.


Elf bis zwölf Kameras in Schönbrunn

Die drei singen zwar im Ehrenhof vor dem Schloss Schönbrunn (die Philharmoniker spielten „dahinter“), dennoch: „Es ist technisch wegen der Akustik und vom Bild her schwierig, eine so riesige Fläche zu bespielen. Elf bis zwölf Kameras sind im Einsatz, um den Raum einzufangen.“ Morgen, Freitag, überträgt ORF2 die „Sommernachtsgala“ aus Grafenegg (u. a. mit Michael Schade).

Zum vollen Kulturgenuss in der derzeit höchsten Bildqualität HDTV, das der ORF seit kurzem Digital-Kunden liefert, kommt der ORF-Seher allerdings noch nicht. Ein Haken der Marketing-Bürokratie: Kulturereignisse werden schon seit längerem in HDTV produziert. Traxl: „Unsere internationalen Ko-Partner, Unitel oder die Japaner, wollen schließlich immer Material in HDTV. Die Kosten werden durch die Ko-Produktionen kompensiert.“ Bloß ist derzeit nur ORF1, nicht aber der traditionelle Kultursender ORF2 in HDTV zu empfangen. „Derzeit ist es unwahrscheinlich, dass die Kultur deswegen in ORF1 rückt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2008)