Mehr Öl ist gut, aber nicht die Lösung

Die geplanten Fördersteigerungen dämpfen Ängste über Versorgungsengpässe. Weniger abhängig vom Öl-Tropf machen sie uns nicht.

Noch längst nicht alle Chinesen haben ein Auto. Auch wenn die Straßen in Peking und Shanghai bereits ärger verstopft sind als in westlichen Metropolen, sind es gerade einmal 30 Stück pro 1000 Einwohner. In den Industrieländern liegt diese Zahl bereits bei über 500. Und dennoch ist der globale Ölbedarf durch die Nachfrage aus China und Indien stark gestiegen. Was wäre nun, wenn die Chinesen gleich viele Autos besitzen, wie Europäer oder Amerikaner? Es wäre unmöglich diesen Öldurst zu stillen, darin sind sich sämtliche Experten einig.

Die Angst vor dieser Ölknappheit ist ein wichtiger Grund für den rasanten Ölpreisanstieg. Noch kann die Förderung die Nachfrage bedienen. Aber die Reservekapazitäten der Förderländer sind schneller zusammengeschmolzen als Eis an einem heißen Junitag. Die Ankündigung von Saudiarabien, seine Kapazität bis 2009 um ein Viertel anzuheben, ist daher eine gute Nachricht.

Allerdings verändert es nichts an der Abhängigkeit der westlichen Wirtschaftsnationen. Dass diese künftig große Probleme mit sich bringen könnte, sah man vergangene Woche. Da forderte der venezolanische Präsident Hugo Chavez von der EU, ihre Immigrationsbestimmungen zu ändern. Andernfalls drohe ein Ölboykott. Will Europa künftig nicht von diversen Diktatoren abhängig sein, muss es die Abhängigkeit durch einen effizienteren Umgang mit Öl und einen zunehmenden Einsatz von Alternativen reduzieren. (Bericht: S. 1)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2008)

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