Der deutsche Theater- und Opernregisseur starb mit 67 Jahren in der Bretagne.
"Er hatte sowas wie eine Vision", kommentierte Peter Stein, ein wenig ätzend, wie gewohnt, aber doch mit Hochachtung. Er sprach von Klaus Michael Grüber, dem Rätselspieler unter den Exponenten des deutschen Regietheaters. Die „Visionen" offenbarten sich in großzügigen Bühnentableaux, die des Öfteren mehr Ahnungen im Betrachter provozierten, als dass er sich von den Gedanken des Regisseurs und dem daraus resultierenden Aktionismus überwältigt gefühlt hätte. Bewegtheiten überließ Grüber mit Grandezza der Kollegenschaft. Er träumte von „Ergriffenheit", wie er selbst einmal bekannte. Mit den theatralischen Frontalangriffen der „Mitbewerber" hatte das nichts zu tun. Grüber ließ des Öfteren gar nichts mehr geschehen und vertraute der Suggestionskraft der Räume seiner Bühnenbildner. Opernfreunde, satt geworden der politisch korrekten Geschäftigkeiten, dankten Grüber das mit Zuneigung. Sein Salzburger „Tristan" war von jener Statik, die der Musik freieste Entfaltung gönnt.
In Wien sah man „Oedipus in Kolonos" (2003) aber auch das Hölderlin-Projekt „Hyperion" mit Bruno Ganz (1992), in Salzburg kam die Uraufführung von Handkes „Prometheus gefesselt" heraus (1986). Vom Assistenten Giorgio Strehlers war der 1946 in Neckarelz geborene Künstler zum theatralischen Eigenbrötler sui generis geworden. Seine Arbeit hatte Stil, ob man gewillt war, sich den Grad an Eigenleistung zumuten zu lassen, den der Regisseur vom Betrachter seiner Inszenierungen abverlangte, oder ob man lediglich vor statischen Bildern zu sitzen meinte - sie waren unverwechselbar, diese Bilder, jedenfalls.
Für die Salzburger Festspiele erarbeiten Ellen Hammer und Rebecca Horn die Oper „Luci mie traditrici" von Sciarrino nun als Tombeau. Klaus Michael Grüber ist am Montag auf der bretonischen Insel Belle Ile en Mer seinem Krebsleiden erlegen.