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Agrarförderungen: Die Gewinner sind...

(c) APA (DPA)
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Das meiste EU-Geld geht nicht an typisch landwirtschaftliche Betriebe. Die Zuschüsse aus Brüssel schwankten 2006/2007 zwischen 33 Cent und 6,8 Millionen Euro.


WIEN/BRÜSSEL.
Seit Montag kann jedermann im Internet nachlesen, wie viel Geld welcher österreichische Landwirt pro Jahr aus Brüssel bekommt (derzeit verfügbar: Oktober 2006 bis Oktober 2007).

Auf www.transparenzdatenbank.at können die EU-Agrarsubventionen auf Euro und Cent aufgerufen werden. Diese gingen entweder in zu 100 Prozent von der EU finanzierte Projekte auf österreichischem Boden oder an EU-kofinanzierte Projekte. Diesfalls musste der Bund mitzahlen.


Insgesamt ergibt sich ein gemischtes Bild: Während einige tatsächlich hohe EU-Summen bezogen, wurde der Großteil der heimischen Bauern im EU-Vergleich gut, aber nicht herausragend bedacht. Am Ende der Skala liegt eine Steirerin, die gerade 33 Cent aus Brüssel einstreifen durfte.

 

Antibiotika aus EU-Rübenzucker


Die größten Gewinner sind überraschend nicht typische Agrarbetriebe, sondern Industrieunternehmen und staatsnahe Körperschaften. Der erste „echte“ Bauer liegt auf Platz 13: die Privatstiftung Fürst Liechtenstein in Wilfersdorf.


An erster Stelle liegt der Fruchtsafthersteller Rauch im vorarlbergischen Rankweil, an zweiter Stelle der börsenotierte Agrarkonzern Agrana, der von Raiffeisen kontrolliert wird. Rauch erhielt rund 6,8 Mio. Euro. Rauch füllt nämlich den Energydrink Red Bull ab. Dafür braucht es viel Zucker, den Rauch teuer in der EU statt billig auf dem Weltmarkt kaufen muss. Mit dieser Vorschrift wird bisher sichergestellt, dass die europäischen Rübenbauern ihren international nicht konkurrenzfähigen Zucker anbringen können. Als Kompensation bekommt Rauch die genannten Förderungen. „Wir würden lieber den günstigen Weltmarktpreis bezahlen. Es stört uns sehr, als Subventionsempfänger dazustehen“, sagte Rauch der „Presse“.


Aus demselben Grund – Förderung der EU-Zuckerrübenbauern – muss auch der Pharmakonzern Sandoz im Tiroler Kundl EU-Zucker kaufen. „Den brauchen wir für die Herstellung von Antibiotika“, sagte die Sprecherin von Sandoz Österreich der „Presse“. Dieses Problem trifft auch den Lebensmittelkonzern Kraft Foods Austria, den Zitronensäurehersteller Jungbunzlauer und das Agrar-Handelsunternehmen VA Intertrading in Linz.
Nicht nur bei Zucker, auch bei Stärke aus Erdäpfeln gibt es diese Bauernförderung über den Umweg der Industrie. „Wir verdienen daran nichts. Wir könnten uns am Weltmarkt billiger mit Stärke eindecken“, hieß es seitens des Papierherstellers Sappi, der 166.184,65 Euro an Kompensationszahlung für teurere EU-Stärke erhielt.


Neben Nahrungsmittel- und chemischer Industrie sind die diversen öffentlichen und halböffentlichen Hände die dritte Gruppe an Großempfängern. Beispiel: Drittgrößter Einzelempfänger ist das Landwirtschaftliche Forschungsinstitut des Landes Steiermark mit 2.593.328,25 Euro. Auch die Landwirtschaftskammer – konkret: deren Forschungsinstitut – bekommt für landwirtschaftliche Fortbildung mehr als 900.000 Euro.

 

Auch Behörden kassierten


Bemerkenswert ist die AMA Marketing GmbH. Sie ist eine Tochter der Agrarmarkt Austria (AMA), einer öffentlichen Körperschaft unter Kontrolle des Landwirtschaftsministeriums, und bekam knapp 900.000 Euro. „Wir machen damit Marketing für die Bauern“, sagte eine AMA-Sprecherin. Die AMA (nicht ihre GmbH) ist übrigens für die Veröffentlichung der Subventionsliste verantwortlich.


Interessant ist auch der Fall der Landwirtschaftlichen Bundesversuchswirtschaft GmbH (BVW) in Wieselburg. Sie ist ebenfalls per Gesetz eingerichtet, bestellt für die Universität für Bodenkultur als Forschungsdienstleister gegen Geld Versuchsfelder und bekam dazu noch 910.106,13 Euro.


Österreichische Förderungen sind der BVW per Gesetz verboten – EU-Direktzahlungen nicht. „So ist die Agrarpolitik halt ausgerichtet, damit diese Form der Landwirtschaft möglich ist, die in Europa gewünscht wird. Es ist schon herausfordernd genug, den Umstand abzufedern, dass wir von nationalen Mitteln ausgeschlossen sind“, sagte Geschäftsführer Gerhard Draxler zur „Presse“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2008)