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Gavin Rossdale: Familienmensch

(c) Universal
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Früher war er der Sänger von Bush. Heute steht Gavin Rossdale vor allem im Schatten seiner Ehefrau Gwen Stefani und kümmert sich um den Nachwuchs, während sie tourt. Selbst wenn er sein eigenes Album vorstellt, redet er am liebsten über die Familie.

Ein bisschen leid tun kann einem Gavin Rossdale ja schon. Da hat er gerade sein erstes Soloalbum „Wanderlust” fertig und dann wollen doch alle lieber über seine Ehefrau sprechen. Gut, die ist auch nicht irgendwer, sondern Popqueen Gwen Stefani, und hat ihre bessere Hälfte in Sachen Prominenz und Erfolg längst überholt. Abgesehen davon kennt man die Ehepartner Stefani-Rossdale heute eher aus Klatsch- denn aus Musikmagazinen. Sogar ihr zweijähriger Sohn Kingston wird regelmäßig zu den best-angezogenen Promibabys gewählt. Da wird das Privatleben natürlich schnell interessanter als das musikalische Schaffen.

Künstler, die ein neues Album promoten wollen, können da allerdings schnell angerührt sein. Nicht so Gavin Rossdale. Bereitwillig beantwortet der 42-Jährige jede Frage. Vielleicht auch, weil er Brite ist und die nun mal für ihre Höflichkeit bekannt sind. Oder er ist einfach nur ein freundlicher Typ, der am liebsten über seine Familie spricht, sich auf das zweite Baby freut und dafür sogar sein neues Album hintanstellt.
Ja, die hochschwangere Gwen sei großem öffentlichen Druck ausgesetzt, nach der Entbindung schnell wieder abzunehmen. Ja, es sei schwer, Sohn Kingston nicht zu verwöhnen, auch wenn er sich mit Geschenken zurückhalten würde. Nur Gwen würde am liebsten immer gleich den ganzen Shop für den Kleinen aufkaufen wollen. Nein, um so was wie einen BMW für Kingston müssten sie sich noch keine Sorgen machen. „Das kommt wohl erst, wenn er sechzehn ist“, meint er. Auf den Hinweis, dass es solche Autos mittlerweile in Miniaturformat auch für Zweijährige gäbe, reagiert Rossdale mit einem etwas entsetzten "Oh Gott". Echte Sorgen eines jungen Vaters eben. Und dann erzählt er auch noch schnell, dass er das Aufnahmestudio in seinem Haus im Londoner Stadtteil Primrose Hill auch nicht mehr hätte und deshalb in Los Angeles an seinem neuen Album hätte arbeiten müssen. Nachdem sonst kein Platz mehr für ein Kinderzimmer für Kingston war, musste Gavin Rossdale mit seinem Equipment ganz einfach das Feld räumen. Wo wir ja fast schon wieder beim eigentlichen Thema, der Musik, wären. "Ach ja", sagt Rossdale dann und lacht.

Nachwuchs-Cobain. Leicht hat es der britische Rocker früher auch nicht gehabt. Als er mit Nigel Pulsford, Robin Goodridge und Dave Parsons 1991 die alternative Rockband Bush gründete und 1994 ihr Debütalbum „Sixteen Stone“ herausbrachte, sah er sich zwar noch nicht dem Vergleich mit seiner erfolgreichen Frau ausgesetzt, aber immerhin dem Vorwurf, der englische „Abklatsch von Nirvana“ zu sein und seine Stimme wie die von Kurt Cobain klingen lassen zu wollen. Ein Ruf, den Bush in Eu-ropa nie ganz loswerden konnten. Abgesehen davon begann die Band zu einer Zeit Grunge-Musik zu machen, als sich die Grunge-Bewegung ihrem Ende zuneigte. Nur die Amerikaner hielten an diesem Stil noch etwas länger fest. Kein Wunder, dass Bush ihre größten Erfolge in den USA einfuhren. Schon die ersten Singles „Everything Zen“ und „Little Things“ liefen auf US-Collegeradiostationen auf Dauerrotation. Der Durchbruch in Europa stellte sich erst mit dem Song „Glycerine“ und später mit dem Hit „Swallowed“ ein. Erfolgreich tourte die Band aber vor allem durch die USA. 2002, über zehn Millionen verkaufter Alben später, löste sich die Band auf, auch wenn die Trennung nie öffentlich bekannt gemacht wurde.

Rossdale widmete sich dann erst einmal seiner Filmkarriere und spielte unter anderem an der Seite von Keanu Reeves 2005 in „Constantine“ den Halbdämonen Balthazar, wofür er den Preis als bester Newcomer Hollywoods kassierte. „Die Statuette fungiert gerade als Türstopper in meinem Bad“, fällt ihm da plötzlich spontan ein. Im gleichen Jahr veröffentlichte Rossdale dann mit seinem Projekt Institute das Album „Distort Yourself“, einen kommerziellen Flop. Dass ihn das etwas verunsichert hat, gibt er heute offen zu.

Überredungsbastard. Mit seinem ersten Soloprojekt, so scheint es, will der ehemalige Bush-Frontman auf Nummer sicher gehen und hat sich Hilfe von Größen wie Dave Stewart oder Linda Perry geholt, die heute Hits am laufenden Band für Leute wie Pink, Christina Aguilera oder eben auch Gwen Stefani schreiben. Auch wenn Rossdale meint, dass die meiste Arbeit am Ende doch bei ihm hängengeblieben ist. „Dave hat eine wirklich kurze Aufmerksamkeitsspanne. Er hatte da einen tollen Anfangsakkord für ein neues Lied und dann ging er erst einmal telefonieren. Aber das war schon gut so, ich feile dann gerne selbst an Dingen“, erzählt er. Nur Shirley Manson, Sängerin bei Garbage, hat sich anfangs geweigert, mit ihm zusammenzuarbeiten. „Sie hat mich einfach abgewiesen. Können Sie sich das vorstellen? Ich habe ihr dann geschrieben und sie antwortete, ,Du Bastard hast mich überredet‘.“ Auch „die Mrs.“, wie Rossdale Gwen Stefani gern nennt, ist auf einem Song, „Some Days“, zu hören. Ihre einzige Zusammenarbeit für das Album, das mehr nach Pop als nach Alternative klingt, was ja eigentlich Stefanis Spezialgebiet ist. Gibt es da nicht doch manchmal Konkurrenzdenken im eigenen Haushalt? „Nein, wir inspirieren uns gegenseitig, und seien wir mal ehrlich, am Abend, wenn wir nach Hause kommen, sind wir keine Popstars, sondern vor allem Mum und Dad und das von bald zwei Kindern.“ Womit wir wieder beim Thema wären.