Die letzten Hemden für den Fußball

Meine Kolumne über Entblößung weiblicher Brüste im Rahmen des Fußballsports ist auf spärlichen Beifall gestoßen, vor allem aber auf Kritik.

Wie sei es möglich, dass mir entgangen ist, dass die meistgelesene Zeitung des Landes ihre traditionelle Dauerserie weiblicher Aktfotografien seit 7.Juni genau diesem Thema gewidmet hat?!?

Tja, peinlich. Noch peinlicher war, was ich mir zur Buße auferlegt habe, nämlich vor aller (Kollegen-)Augen die letzten 18 Nummern der „Krone“ auf „Seite-7-Mädchen“ durchzuscannen. Das Ergebnis liegt mir vor und ist sowohl für Sexisten als auch für Sexismuskritiker interessant. Alle 16 Teilnehmerländer sind einmal vertreten, nur Deutschland zweimal, wobei eine der beiden allerdings angibt, dass ihr Lieblingsfußballer in Wahrheit Cristiano Ronaldo sei. Alle tragen ein T-Shirt mit Landesnamen, das die Brüste kaum oder gar nicht bedeckt, mit Ausnahme der türkischen Repräsentantin. Dafür zeigt das jüngste Motiv eine „attraktive Deutsch-Türkin“, die noch nicht weiß, zu wem sie halten soll, also gar kein T-Shirt trägt. Der Bildtext beginnt mit: „Zwei Herzen schlagen in Selmas Brust.“ Ach.


Weiters im Bild und (teilweise) am Wort: Helga (Schweiz, „Das wäre das schönste Geschenk für mich“); Angelika (Österreich, „Für unsere Kicker gebe ich mein letztes Hemd“), Emanuelle (Frankreich), Marion (Griechenland), Andrea (Portugal, „Ich schau Fußball nur wegen Ronaldo“), Namenlose (Polen), Namenlose (Italien), Elsa (Schweden, „So leicht werden wir es Spaniens Teamchef mit Sicherheit nicht machen“), Janina (Tschechien, „Wer spielt mit mir?“), Namenlose (Deutschland, „Jetzt müssen wir uns echt zusammenreißen“), Namenlose (Rumänien, „Ich habe einen tollen Videoprojektor“), Stephanie (Russland, „Die Russen haben's drauf“), Hannah (D), Dilara (Türkei, „Heute ist alles möglich“), Saskia (Niederlande, „Wir gewinnen“), Manuela (Spanien), Darina (Kroatien, „Die anderen Teams interessieren mich nicht“).

Nach Durchsicht dieser Parade sind mir zwei Sätze aus Helmut Qualtingers Sketch „Striptease“ eingefallen. Zuerst der Kommentar des Handlungsreisenden: „In Attnang-Puchheim ziagn's des aa no aus...“ Dann, bestärkt durch die Hitze, der Ausruf des Betrunkenen (verkörpert einst durch Qualtinger selbst), der endlich bemerkt, was da auf der Bühne geboten wird: „I ziag mi aa aus!“

Ich hielt mich dann doch bedeckt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2008)

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