"Mit dem Segelboot am Pol": 50:50-Chance auf eisfreien Nordpol

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Der Nordpol könnte im Sommer erstmals seit Millionen Jahren eisfrei sein. Das Eis taut viel schneller ab, als bislang angenommen wurde. Seit Jahren werden die Eismassen in der Arktis immer weniger.

Der Nordpol könnte nach Einschätzung eines US-Wissenschaftlers in diesem Sommer erstmals seit Menschengedenken eisfrei werden. Mark Serreze vom amerikanischen Schnee- und Eisdatenzentrum in Colorado sagte am Freitag im US-Nachrichtensender CNN, nach der ungewöhnlich großen Eisschmelze im vergangenen Jahr gebe es dieses Jahr besonders viel sogenanntes Ein-Jahres-Eis. Dieses schmelze leichter als die in Jahrzehnten und Jahrhunderten gewachsenen Eismassen. "Ich würde sagen, es steht eins zu eins, dass der Nordpol abschmilzt."

Bereits 2007 war die Eisfläche des ganzjährig zugefrorenen Arktischen Ozeans so stark zurückgegangen wie noch nie. Erstmals konnte im September des Vorjahres die sogenannte Nordwest-Passage kurz für den Schiffsverkehr freigegeben werden. Durch den kalten Winter bildete sich Serreze zufolge viel Eis in der Arktis neu. Wie weit dies jedoch halte, werde von den konkreten Wetterbedingungen abhängen. Wissenschaftler beobachten seit etwa einem halben Jahrhundert eine Abnahme der arktischen Meeres-Eisfläche.

"Mit dem Segelboot zum Nordpol"

Olav Orheim vom Norwegischen Forschungsrat sieht das laut "Spiegel Online" ähnlich: "Ich habe schon im vergangenen Oktober vorausgesagt, dass der Pol in diesem Sommer eisfrei sein könnte. Im August oder September werden wir Leute sehen, die mit dem Segelboot dorthin fahren."

Nach Ansicht von Orheim wurde der Transport von arktischem Meereis von Sibirien über den Pol nach Nordamerika falsch eingeschätzt. Er vollziehe sich bei höheren Temperaturen viel schneller: "Diese Geschwindigkeitssteigerung ist unterschätzt worden."

Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung ist laut "Spiegel Online" zurückhaltender. Er verweist darauf, dass im Sommer 2007 "ein monatelanges anomales Windfeld" für die Rekordschmelze gesorgt habe.

Als die Arktis noch tropisch war

Seit Jahren wird der Rückgang der Eisfläche im Sommer beobachtet, was meist auf die Klimaerwärmung zurückgeführt wird. Anders als die Antarktis ist die Nordpolarregion kein eisbedecktes Land, sondern gefrorenes Meer. Dass der Nordpol aber erstmals eisfrei ist, wie derzeit berichtet wird, ist falsch: Es gab auch früher Phasen, in denen die Arktis warm war - vor 55 Millionen Jahren war es dort sogar recht tropisch, wie die Auswertung von Bohrkernen ergab.

Zwischen den arktischen Anrainern Russland, USA, Dänemark, Norwegen und Kanada hat der Rückgang des Eises neue strategische Begehrlichkeiten geweckt, weil dadurch der Zugang zu Resourcen und neue Seewege eröffnet werden. 

(Ag./Red.)

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