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Die Retter aus höchster Banken-Not

(c) AP (Jennifer Szymaszek)
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Immer mehr Staatsfonds aus dem Nahen und Fernen Osten steigen bei angeschlagenen Banken ein und sichern so deren Überleben.

wien. Vorige Woche erwischte es die britische Bank Barclays: Sie hatte durch die Finanzkrise massive Verluste erlitten und brauchte dringend frisches Kapital in Milliardenhöhe. Als Retter in der Not sprangen die Staatsfonds aus dem Ölscheichtum Katar sowie aus Singapur sowie die China Development Bank ein. Barclays war nicht die erste und wird wohl auch nicht die letzte westliche Großbank sein, deren Überleben Gelder aus dem Nahen bzw. Fernen Osten sichern.

Schon seit Monaten eilen Staatsfonds aus den Ölländern sowie aus den exportstarken Ländern Asiens angeschlagenen Banken im Westens zu Hilfe. So stiegen bei der US-Großbank Citigroup die Staatsfonds von Abu Dhabi, Kuwait und Singapur sowie der saudische Prinz Alwalid bin Talal ein. Die durch die Finanzkrise schwer angeschlagene Schweizer Großbank UBS bekam eine Milliarden-Kapitalspritze aus Singapur und heißt in der Bankbranche jetzt scherzhaft „United Bank of Singapur“.


Knapp 100 Mrd. Euro investiert

Die Chinesen stiegen über ihren Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) bei der US-Großbank Morgan Stanley ein. Unter den Geldgebern von Merrill Lynch, einer weiteren US-Großbank, ist neben Singapur und Kuwait auch ein südkoreanischer Fonds zu finden. Und die belgisch-niederländische Großbank Fortis bekommt im Rahmen einer Kapitalerhöhung frisches Geld von den Chinesen sowie von der staatlichen Gesellschaft Libyan Investment Authority, in der die Familie Gadhafi das Sagen hat.

In Summe investierten die Staatsfonds aus Singapur, Abu Dhabi, Kuwait, China usw. bisher mehr als 150 Mrd. Dollar (knapp 100 Mrd. Euro) in angeschlagene westliche Großbanken. Leisten können sie sich das locker, wird doch ihr Volumen insgesamt auf rund 3000 Mrd. Dollar geschätzt. Bis 2012 wird es sich dank boomender Exporte und sprudelnder Öleinnahmen auf 12.000 Mrd. Dollar vervierfachen, schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF).

Weltgrößter Fonds ist ADIA, (Abu Dhabi Investment Authority), der 1977 gegründet wurde, um das Emirat auf die Zeit nach dem Versiegen der Ölquellen vorzubereiten. ADIA wird aus den Öleinnahmen gespeist, sein Volumen wird auf 500 bis 1000 Mrd. Dollar geschätzt. Ähnlich funktionieren die Staatsfonds von Dubai, Kuwait und Katar. Während die nahöstlichen Fonds aus Öleinnahmen gespeist werden, wird jener von Singapur aus den riesigen Zahlungsbilanzüberschüssen des Stadtstaates dotiert. 2007 entstand schließlich nach dem Vorbild von Singapur der chinesische Staatsfonds China Investment Corporation, (CIC), der nach Expertenschätzung mittlerweile rund 200 Mrd. Dollar „schwer“ sein dürfte.

Für die angeschlagenen westlichen Banken waren die Kapitalspritzen aus dem Osten wegen der Finanzkrise lebensnotwendig. Hatte man in den westlichen Industriestaaten noch vor einem Jahr an gesetzlichen Abwehrmaßnahmen gegen den Einstieg der Fonds gearbeitet, ist die Kritik mittlerweile verstummt. Wie es sich in den Großbanken mit den neuen Aktionären mittelfristig leben wird, bleibt abzuwarten.

Bisher sind Araber und Asiaten sehr geduldige Anteilsinhaber und geben sich mit ihren Kapitalbeteiligungen zufrieden. Eine personelle Vertretung im Vorstand oder Aufsichtsrat wurde bislang nirgends verlangt. Die Verantwortlichen in den Ölländern bzw. den asiatischen Staaten, die bisher vor allem US-Staatsanleihen kauften, sind offenbar froh, bessere Investitionsmöglichkeiten gefunden zu haben. Dies gilt umso mehr, als man den finanzstarken Investoren bei Citigroup, UBS & Co. entgegenkam und sie zu sehr günstigen Konditionen einsteigen konnten.


Altaktionäre mussten „bluten“

Für die Altaktionäre der Banken war dies natürlich eine bittere Pille, ihr Investment wurde durch den Einstieg der neuen Investoren kräftig verwässert. Experten halten es aber für durchaus gerecht, dass für die riesigen Verluste, die die Großbanken eingefahren haben, jene Aktionäre „bluten“ müssen, die zuvor jahrelang fette Dividenden kassiert hatten.

Längerfristig könnte durch die neuen Miteigentümer in den amerikanischen und europäischen Banken sehr wohl ein Konfliktpotenzial entstehen. Auch wenn der chinesische Staatsfonds wie ein westlicher Investor agiert, steht dahinter doch die KP der Volksrepublik. Und wenn US-Banken bei einem Boykott gegen den Iran mitmachen, dürfte das ihren arabischen Aktionären ganz und gar nicht recht sein.

Gute Erfahrungen gemacht hat man hingegen in Österreich mit einem nahöstlichen Investor, der IPIC (International Petroleum Investment Comp.) aus Abu Dhabi, die seit Jahren an der OMV beteiligt ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2008)