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Aufnahmstests: Sprachen und logisches Denken

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Die Zahl der jungen Interessenten steigt kontinuierlich an – und damit auch jene der bei den Zulassungsprüfungen Gescheiterten.

WIEN. Die Matura ist in den meisten Schulen bereits vollendet, die Aufnahmeverfahren zu den Fachhochschulen übrigens ebenfalls. An der FH Wien etwa musste man schon bis spätestens 6. Juni alle formalen Schritte erledigen, um überhaupt zur Aufnahmeprüfung zugelassen zu werden. Das (erfolgreiche) Maturazeugnis war dann nachzureichen.

Stefan Rankl, Studiengangsleiter für „Unternehmensführung/Entrepreneurship“ an der FH Wien, hat in der eben erschienenen Publikation „Management von Fachhochschul-Studiengängen“ folgende (mögliche) „Elemente des Aufnahmeverfahrens“ angeführt:
•Analyse und Bewertung der Bewerbungsunterlagen (Motivationsschreiben, Form der Bewerbung);
•Schulnoten (ursprünglich lehnte der FH-Rat diesen Punkt ausdrücklich ab, in der neuesten Akkreditierungsrichtlinie findet sich keine Aussage dazu);
•Testverfahren (allgemeine Studierfähigkeitstests, fachspezifische Studierfähigkeitstets, Kenntnis- oder Wissenstest, Intelligenztest, Leistungstest, Persönlichkeitstest);
•Arbeitsproben (wird meist bei kreativen Studienrichtungen wie Musik, Malerei, aber auch Journalismus berücksichtigt);
•Interviews mit den Bewerbern (kommt trotz des hohen Aufwands häufig vor);
•Assessment Center (Beobachtung durch mehrere unabhängige Assessoren).


Vorerst kein Fachwissen

Auf welche Auswahlpunkte er in seinem Studiengang besonders Wert legt? „Das Wichtigste“, so Rankl im Gespräch mit der „Presse“, ist die Feststellung des intellektuellen Levels mit einer Fachprüfung.“ Dabei stehen Deutsch, das Sprachverständnis, Englischkenntnisse und logisches Denken im Mittelpunkt. Dann folgt das persönliche Gespräch mit den Bewerbern und Bewerberinnen, bei dem es um die Motivation für das gewählte Studium geht.

Fachspezielle Inhalte werden an der FH Wien vor dem Bachelorstudium nicht nachgefragt, sehr wohl aber bei der Prüfung für die Berechtigung zum Masterstudium. Da die Zahl der FH-Studienplätze limitiert ist (die Jahrgangsgröße legt gemäß der Finanzierungszusage des Ministeriums der FH-Rat fest), wird auch eine bestimmte Auslese getroffen: Bei den überlaufenen Studienrichtungen – die neuen Gesundheitswissenschaften und die Sozialwissenschaften – werden nur die in den Tests Erfolgreicheren genommen, bei den technischen und ingenierwissenschaftlichen Studien ist die Chance weit größer (siehe Grafik auf dieser Seite). Im Studienjahr 2006/07 verzeichneten die 194 FH-Studiengänge 24.387 Bewerbungen um die insgesamt 8946 Studienplätze.

Was tun Interessenten, wenn sie abgewiesen werden? „Sie gehen an eine Universität“, sagt Rankl, „viele haben sich aber auch mehreren fachverwandten FHs dem Aufnahmetest unterzogen.“ Damit steigt die Chance auf einen Studienplatz. Die FH darf aber im ersten Studienjahr die Anzahl der genehmigten Studienplätze um zehn Prozent überbuchen – dies entspricht der späteren Drop-out-Quote, sodass letztlich die bewilligte Studierendenzahl jener der Absolventen entspricht.

1993 beim Start der FHs in Österreich hat der damalige Wissenschaftsminister Erhard Busek Wert auf FH-Studierende, die über den berufsbildenden Weg (Lehre) kommen, gelegt. Das FH-Gesetz definiert „die allgemeine Universitätsreife oder eine einschlägige berufliche Qualifikation“ als fachliche Zugangsvoraussetzung. Wobei „Studienanfänger mit einschlägiger beruflicher Qualifikation“ in der Regel FH-interne Zusatzprüfungen ablegen müssen. An seiner FH würden etwa fünf Prozent der Studienanfänger über die duale Ausbildung kommen, sagt Rankl.

Ein österreichweit einheitliches Aufnahmeverfahren gibt es nicht, kann es nach Aussage der FH-Verantwortlichen auch nicht geben. Denn jeder Studiengang hat schon bei der Akkreditierung seine besonderen Bedingungen vorgelegt. Gibt es also puncto Aufnahme schwere und leichte FHs? Rankl will hier nicht direkt antworten. Wenn an einer FH die Bewerberzahl neun Mal höher als jene der Studienplätze ist, dann würden dort nur die Besten genommen werden. Er kenne aber auch, so Rankl, eine FH mit 20 Studienplätzen und 21 Interessenten. Dennoch habe man dort drei offensichtlich ungenügend geeignete Bewerber ausgeschieden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2008)