Internet: Wenn die Verwaltung jugendlich „cool“ werden will

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Lockerer Spruch statt Amtsdeutsch: Behörden wollen Jugend bei Amtswegen im Internet entgegenkommen.

WIEN. Eine neue Umfrage über das Internet-Verhalten der Österreicher, die seit Montag auf dem Tisch liegt, zeigt: 97 Prozent der Jugendlichen benutzen das Internet (ein neuer Rekord); von den über 65-Jährigen wird das Netz großflächig boykottiert (trotz einiger Initiativen); es gibt den „kleinen Unterschied“ zwischen Männern und Frauen; Schlusslicht bei der Internet-Nutzung in Österreich ist Kärnten.

Staatssekretärin Heidrun Silhavy (SP) kündigt gegenüber der „Presse“ nun an, dass die Behörden darauf reagieren:


Behörden auf Jugend-Trip. Nachdem nahezu jeder Jugendliche im Internet ist, werden sich Behörden dieser Zielgruppe anpassen, erklärt Silhavy: „Wir müssen sprachlich und vom Angebot her das e-government so gestalten, dass wir an die Zielgruppen herankommen.“ Kurz: Texte sollen nicht mehr in unverständlichem Amtsdeutsch am Bildschirm erscheinen, sondern in jugendlichen Formulierungen. Nicht in Krocha-Slang, aber lockerer und verständlicher.

Derzeit läuft ein Programm an einigen österreichischen Schulen. In der Klasse wird die Alltagstauglichkeit des Behörden-Internetangebotes von Jugendlichen getestet, die auch ihre Wünsche formulieren dürfen, wie Silhavy betont: „Wir wollen den Jugendlichen den Umgang mit den Behörden erleichtern.“ Nebenbei sollen mehr Jugend-Themen in die Internet-Seiten der österreichischen Verwaltung eingebaut werden.


•Pensionisten sollen surfen. Grundsätzlich ist Österreich Europameister beim e-government, wie die Staatssekretärin betont, doch am anderen Ende der (Alters)Skala ortet sie ebenfalls Handlungsbedarf: Nur 30 Prozent der über 65-Jährigen gehen ins Netz. Diesen Anteil will Silhavy deutlich steigern, indem die Behörden verstärkt Internet-Angebote für betagte Menschen anbieten. Das Problem: „Es hängt natürlich vom Endgerät ab.“


•Männer und Frauen im Netz. Ein Umfrage-Detail, das Silhavy in Kürze als Frauenministerin beschäftigen wird: Im Internet erfüllen sich Rollen-Klischees. Frauen suchen im Netz nach den Themen Gesundheit, Weiterbildung und Jobs. Wenn es um den Warenkauf (Stichwort: Jagd!) im Internet geht, machen das deutlich mehr Männer als Frauen (76 zu 68 Prozent. „Wir müssen überlegen, wie wir diese geschlechterspezifische Kluft überwinden“, so die designierte Frauenministerin.

Was die Befragung noch aufgezeigt hat. Schlusslicht bei den Internet-Zugängen ist Kärnten, wo nur 62 Prozent vernetzt sind. Führend ist Wien (75 Prozent) vor Oberösterreich, Tirol und Salzburg (69 Prozent). EU-weit liegt Österreich mit 67 Prozent auf Platz acht; knapp hinter Deutschland und Großbritannien, aber vor Estland und Frankreich.

Auf einen Blick

Studie zeigt: Fast jeder Jugendliche surft im Internet. Bei Amtswegen (e-government) wollen die Behörden den Jugendlichen nun entgegenkommen; mit einer jugendlichen Sprache statt Amtsdeutsch und speziellen Angeboten. Gleichzeitig soll e-government aber auch fit für Pensionisten werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2008)

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