Neues Lokal: Familienaufstellung

(c) Julia Stix
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Walter Eselböck führt nicht nur eines der drei besten Restaurants des Landes, sondern vielleicht bald auch ein neues Lokal. Und eine erfolgreiche Großfamilie. Aber führt er sie überhaupt? Oder führt sie ihn? Der Versuch einer Familienaufstellung.

Es ist das beliebteste Thema der wachsenden Gourmet-Szene des Landes: der Taubenkobel. Oder besser: die Familie Eselböck. Bekommt Walter Eselböck einen dritten Michelinstern? War Eveline Eselböck beim vergangenen Besuch im Taubenkobel zu jener Tischgesellschaft nicht ein bisschen weniger freundlich als zu der anderen? Kocht Alain Weissgerber nun im Taubenkobel? Sperrt er seine Blaue Gans zu? Gibt es schon bald ein neues Eselböck-Restaurant in Istrien? Und bauen dort Steffi und Edi Tscheppe-Eselböck auch Wein an?

Nein. Und ja. Aber alles schön der Reihe nach. Also: Ob Walter Eselböck den dritten Stern bekommt, wissen nur die Michelin-Tester. In den vergangenen Monaten waren sie wieder unterwegs, im November kommt der rote Guide heraus. Walter Eselböck ist derzeit in äußerst guter Form („Für die Gourmet-Kritiker werde ich weder Teller rauchen lassen noch Schlecker hinstellen“), ihm und seinem Team macht es merkbar Freude. Und: Nach einem Gespräch mit Walter Eselböck gewinnt man den Eindruck, er kocht natürlich für den dritten Stern, aber er kann auch ohne ihn.

Die Enttäuschung über das Ausbleiben wäre kleiner als vor zwei Jahren, als ein lanciertes Gerücht den dritten Stern für Eselböck in greifbare Nähe rückte. Vielleicht weil er noch ein bisschen abgeklärter wirkt, als ob ihm nicht ganz so wichtig wäre, was die anderen über ihn reden. Das sagt er nicht explizit, aber wenn er erzählt, dass er und seine Frau in den vergangenen Wochen und Monaten seltener auf die berühmt-berüchtigten Veranstaltungen und Einladungen gingen, deren Gästelisten die Gesellschaftsberichterstattung dominieren, geht das in diese Richtung. Und wenn man die Foto-Gesellschaftsseiten überfliegt, weiß man, dass er Recht hat. Wobei er schon einräumt: „Bei den so genannten prominenten Gästen spürt man das schon: Die kommen vielleicht seltener, wenn wir selbst nicht überall hingehen. Dafür gibt es andere Gäs-te, die diese Gäste ohnehin nicht so schätzen.“

Neues Konzept. Zur privaten Welt Eselböcks gehören die Familie und das Kochen: Seit einigen Monaten steht auch Schwiegersohn Alain Weissgerber in der Küche des Taubenkobels, die Blaue Gans gibt es anders lautenden Gerüchten zum Trotz aber weiterhin, sagt Eselböck. Denn Weissgerber kocht dort sehr wohl noch, am Wochenende etwa mittags immer. Er führt in Weiden am See eine neue Bistro-Linie, die Änderungen gaben die Gäste vor: Eine aufwendige Gourmet-Küche geht an einem Donnerstag zu Mittag im schönen Weiden am See eben nicht so gut wie etwa in der Business-Lunch-Hauptstadt Wien. Ob dieses neue Konzept der Blauen Gans auch im kommenden Jahr so weitergeführt wird, soll im Herbst entschieden werden, erzählt Eselböck. Dann läuft der Pachtvertrag aus und ein möglicher neuer wird von Weissgerber verhandelt. Einen Plan B gibt es auch: Eselböck hat einen neuen Betrieb im Burgenland im Auge, wo der steht, will er noch nicht verraten, „das schauen wir uns noch genau an“. Und außerdem kann das neue Lokal auch zum Taubenkobel und zur Blauen Gans als Nummer drei beziehungsweise vier dazukommen, wenn man die kleine, in jeder Hinsicht charmante Greißlerei dazuzählt.

Mehr Hotel.
Es ist also alles offen, wie Eselböck meint: „Wir schauen uns alles an und bewerten das dann.“ Damit meint er auch die innerfamiliäre Situation unter einem, genau genommen mehreren Dächern des Taubenkobels: „Alain und ich verstehen uns sehr gut in der Küche, aber er war lange Jahre selbstständig und sein eigener Herr, jetzt muss er in meinem Team arbeiten.“ Das bedeute zwar, dass er sich unterordnen müsse, aber generell lasse er ohnehin andere gute Ideen immer zu, schwört Eselböck. Und immerhin hat auch Tochter Stephanie nach ihren Koch-Ausflügen nach Paris eine Zeit lang gut mit dem Vater zusammengearbeitet. Sagt sie zumindest. Heute produziert sie mit ihrem Mann Edi Tscheppe – ja, dem aus der steirischen Winzerfamilie – im nahen Oggau den neuen gleichnamigen Wein (Gut Oggau nämlich). Natürlich mit der Unterstützung der Eltern – nicht zuletzt bei den Enkelkindern. Denn davon gibt es immerhin vier im Clan: Weissgerbers mit Rosa und Franz Ferdinand, Tscheppes mit Magdalena und August. Eben auch alles Eselböcks.

Bleibt noch Tochter Barbara: Die Frau von Alain Weissgerber arbeitet ebenfalls im Taubenkobel und führt den Hotelbetrieb, der laut Walter Eselböck ausgeweitet wird: „Wir kaufen gegenüber dem Taubenkobel noch ein Bauernhaus für einige Zimmer dazu.“ Mit Barbara gibt es übrigens manchmal kleine Meinungsverschiedenheiten stimmungsmäßiger Natur, wie Papa Eselböck einräumt. „Sie ist nämlich einfach wie ich.“ Schlecht?

Taubenkobel
Walter und Eveline Eselböck. Hauptstraße 33, 7081 Schützen am Gebirge.
Zur Blauen Gans
Alain Weissgerber. 7121 Weiden am See.
Gut Oggau Stephanie und Eduard Tscheppe-Eselböck. Hauptstraße 31, 7063 Oggau.
Haus im See
Alain Weissgerber und Barbara Eselböck. Am Endeder Hauptmole, 9400 Fertörákos, Ungarn.


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