Die Bundesbahnen bewegten sich in den vergangenen Jahren in die richtige Richtung. Dennoch müsste es viel schneller gehen.
Die ÖBB gelten als „Geldvernichtungsmaschine“. Über Jahre wurde in einem Filz aus Politik, Gewerkschaft und beamtetem Wirtschaftsverständnis auf Rentabilität wenig Wert gelegt. Von Kundenfreundlichkeit ganz zu schweigen. Kein Wunder, der Kunde musste als Steuerzahler ohnehin zahlen – egal ob er wirklich in den Zug stieg.
Auch heute noch bestätigt die Bahn mit Aktionen wie den Spekulationsgeschäften – bei denen Eisenbahner gedacht haben, sich geschickter als die Deutsche Bank auf dem Börsenparkett bewegen zu können – diesen Ruf. Grundsätzlich bewegt sich die Bahn aber in die richtige Richtung. So werden beispielsweise endlich neue Züge gekauft, damit eine Bahnfahrt nicht mehr einer Reise in die 70er-Jahre gleichkommt.
Dennoch gehört das System Bahn grundlegend geändert: Die ÖBB gehören aufgetrennt. Warum muss Infrastruktur und Fahrbetrieb unter einem Dach sein? Kein Mensch würde auf die Idee kommen, dass Frächter eigene Autobahnen brauchen. Kleinere und übersichtlichere Strukturen würden zu mehr Effizienz führen. Zudem könnte der Fahrbetrieb mittelfristig durch Privatisierung vom Gängelband der politischen Postenbesetzungen befreit werden. Die Infrastruktur würde staatlich bleiben. Auch dem Image der Bahn würde das gut tun, da Schulden aus dem Infrastrukturbau und der Fahrbetrieb nicht mehr ständig vermischt werden würden. (Bericht: S. 25)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2008)