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USA: Nelson Mandela gilt nicht länger als Terrorist

(c) EPA (Simon Dawson)
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Die USA streichen Südafrikas Ex-Präsident und Friedens-Nobelpreis-räger sowie dessen Partei, den Afrikanischen Nationalkongress (ANC), von der Terrorliste.

WASHINGTON/ PRETORIA(ag./wg). Washington, so hört man, ist die Sache doch recht peinlich: Erst 15 Jahre nach dem Ende der Apartheid in Südafrika und der durch demokratische Wahlen herbeigeführten Machtübernahme durch den Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) haben die Vereinigten Staaten den ANC sowie dessen Galionsfigur, Nelson Mandela, von der „Terror-Liste“ des Außenministeriums gestrichen. Mitglieder des ANC, der seit 1994 die Regierung stellt, und daher auch Mandela, mussten bisher für Reisen in die USA beim US-Außenamt die Bescheinigung erbitten, dass sie doch keine Terroristen seien.

Dabei war der Bürgerrechtskämpfer Mandela, der mit dem damaligen südafrikanischen Präsidenten de Clerk für die Beendigung der Rassentrennung den Friedensnobelpreis erhalten hatte, 1994 bis 1999 der erste schwarze Präsident des Landes am Kap gewesen. Er und der ANC waren in den 80er-Jahren auf der US-Terrorliste gelandet, nachdem die weiße Regierung in Pretoria in den 60ern den ANC verboten und in den 70ern ausdrücklich zur Terrororganisation erklärt hatte. Nach den Terroranschlägen in New York im September 2001 blieb der ANC auf der Liste, da er sich nach Ansicht der USA weiter zum bewaffnetenKampf gegen die Apartheid bekannte.


Da half auch kein Orden

Zuletzt wurde den USA die Sache immer unangenehmer: „Ehrlich gesagt, ich finde es ziemlich peinlich, dass ich meiner Amtskollegin, der Außenministerin von Südafrika (Nkosazana Dlamini Zuma, Anm.), für Besuche bei uns immer eine Genehmigung ausstellen muss – ganz zu schweigen von Nelson Mandela“, meinte US-Außenministerin Condoleezza Rice vor einiger Zeit. Lustigerweise hatte es Mandela auch nichts genützt, dass ihm US-Präsident George W. Bush 2002 für seine Verdienste für den Frieden die „Presidential Medal of Freedom“ verlieh.

Das Gesetz, das den ANC von der Liste nahm, kam auf Initiative des demokratischen Abgeordneten Howard Berman zustande. In der Vorwoche wurde es vom Kongress verabschiedet – und Bush beendete schließlich in der Nacht auf Mittwoch mit seinem Federstrich unter diesem Gesetz die historische Posse.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2008)