Selbstkontrolle: Neuer Presserat ab Herbst?

(c) AP (Ronald Zak)

VÖZ und Journalisten-Gewerkschaft einigten sich auf neues Modell.

Die (Bild-)Berichte zum Fall Josef F. und zu Natascha Kampusch hätten ihn zuletzt arg beschäftigt: den Presserat, der seit 2002 de facto nicht mehr existiert. Das soll sich ab Herbst wieder ändern: Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und die Journalistengewerkschaft erklärten Mittwoch ihre „grundsätzliche Übereinstimmung über ein neues Modell der freiwilligen Selbstkontrolle“.

Der 1961 gegründete Presserat wurde handlungsunfähig, als ihn der VÖZ verließ. Nun soll er neu gegründet werden: von Gewerkschaft, VÖZ und dem Verein der Chefredakteure; einbinden will man auch den Zeitschriften- und Fachmedienverband, den Presseclub Concordia und den Verband der Regionalmedien. Er soll künftig zwei Senate mit je sechs (rechtskundigen) Mitgliedern stellen, angedacht ist ein ehrenamtlicher Leserbeirat.

Weitere Neuerungen: Die Entscheidungen des Presserats sollen „rechtlich aufgewertet“ werden – was genau das bedeutet, wollte VÖZ-Sprecher Hannes Schopf noch nicht sagen, „jedenfalls geht es nicht in Richtung Zensur“. Zweitens will man Ombudsleute in den größeren Zeitungsredaktionen installieren (und einen zentralen für kleinere Zeitungen).


Sechsstelliger Beitrag von der Politik?

Dieses z.B. bei der „New York Times“ etablierte Modell soll Leserbeschwerden schon in den Redaktionen schlichten. Der „Standard“ hat derzeit als einziges österreichisches Printmedium einen „Leserbeauftragten“. Die Republik Österreich möge einen sechsstelligen Betrag bereitstellen, fordert Schopf – schließlich hätten sich viele Politiker einen Presserat gewünscht. Entstünde dadurch keine Abhängigkeit? „Nicht mehr als durch die Presseförderung.“

Das neue Presseratsmodell wird wohl auch heute im Parlament bei der Medienenquete „Medienrecht und Opferschutz“ diskutiert werden. trick