Sophie von Kessel: Die Neue am Domplatz

(c) AP (Kerstin Joensson)
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Schauspielerin Sophie von Kessel versucht sich heuer als neue (und 29.) Buhlschaft im „Jedermann“. Donnerstag kam sie nach Salzburg.

Inszenierung ist alles. Diese Grundregeln des Salzburger Festspielsommers hat die neue Buhlschaft Sophie von Kessel rasch gelernt. Wer etwas gilt, macht etwas Wind um seine Person und lässt Journalisten und Fotografen erst einmal warten. Mit einer Viertelstunde Verspätung beginnt am Donnerstag der erste Auftritt der Buhlschaft 2008. Professionelles Lächeln, knappe Antworten auf die Medienfragen. Das von Schauspielchef Thomas Oberender gelobte Temperament der deutschen Künstlerin will nicht so richtig zur Geltung kommen.

Den Text des „Jedermann“ könne sie auswendig, erzählt sie (sollte sie auch, die Proben beginnen schließlich in den nächsten Tagen). Zwei Sommer lang hat sie als junge Schauspielerin in der Tischgesellschaft mitgewirkt – und den Text des Traditionsstücks dabei unzählige Male gehört. Damals war Sunnyi Melles die Buhlschaft. Als Vorbild will Kessel die ältere Kollegin nicht nehmen. „Ich bin ich und ich kann nur so spielen, wie ich bin“, meint sie selbstbewusst. Die Rolle sei offen genug, um sie mit einer eigenen Persönlichkeit zu füllen. Genau daran sind vor ihr aber schon einige Schauspielerinnen gescheitert, weil sie die eigene Persönlichkeit auf diesem wuchtigen Platz im Herz der Salzburger Altstadt eben nicht zum Ausdruck bringen konnten.

Peter Simonischek jedenfalls, der seit 2002 den „Jedermann“ in der Inszenierung von Christian Stückl spielt, hat von Kessel (seiner vierten Buhlschaft in sieben Salzburgsommern) im „Presse“-Interview bereits Rosen gestreut. Durch ihre Theatererfahrung würde sie den Domplatz sicher leichter in den Griff bekommen als manche ihrer Vorgängerinnen, die eher nur Spielfilmerfahrungen hatten. Im Fernsehen war Von Kessel freilich auch schon oft genug zu sehen. Was Simonischek nicht nur gefällt: „Die Sophie ist so dünn, obwohl sie zweifache Mutter ist. Und das nur fürs Fernsehen, dort wirkt man so schnell dick.“

Wie sie die Buhlschaft anlegen wird, hat sich Sophie von Kessel drei Wochen vor der Premiere allerdings noch nicht überlegt. Erst bei den Proben will sie sehen, wie sich alles entwickelt. Schließlich ist sie neu in einem eingespielten Ensemble.

Die 1968 in Mexiko geborene Diplomatentochter studierte Schauspiel am Max Reinhardt Seminar in Wien. Seither hat sie eine starke Affinität zu Österreich. Salzburg kennt sie von ihren Auftritten in der Tischgesellschaft 1991 und 1992. Danach spielte sie bei den Festspielen die Zosia in „Wesele“. Nun kehrt sie als die 29.Buhlschaft im „Jedermann“ auf den Domplatz zurück.

Sophie von Kessel will im Sommer mit ihrem Mann, dem Schauspieler Stefan Hunstein, und ihren beiden Kindern nach Salzburg kommen. Die Familie hatte auch ein gewichtiges Wort mitzureden, als es um die Entscheidung ging, das Angebot der Festspiele anzunehmen oder nicht. „Da haben wir einen Familienrat einberufen“, erzählte Kessel, die sich „wahnsinnig geehrt“ fühlte, als sie den Anruf von Schauspielchef Thomas Oberender bekam.

Welches Kleid die neue Buhlschaft tragen wird, bleibt bis zur „Jedermann“-Premiere am 27. Juli noch ein gut gehütetes Geheimnis. Den Boulevard stört das nicht, dort wird Von Kessel schon seit einiger Zeit als neue „Salzburg-Muse“ gepriesen, wird von ihren „Modelmaßen“ geschwärmt.

Genau dort wird sie Ende Juli auch zuerst verrissen, wenn sie nicht so weiblich, wild und willig herüber kommt, wie man sich das von einer „echten“ Buhlschaft erwartet. So war das etwa im Vorjahr bei Marie Bäumer. Aber auch das gehört wahrscheinlich zur Salzburger Festspiel-Inszenierung.

ZUR PERSOn

Sophie von Kessel, 39, 1968 als Tochter eines deutschen Diplomaten in Mexiko geb., wuchs in Finnland, Österreich und den USA auf, studierte u.a. am Max Reinhardt-Seminar in Wien Schauspiel.

Von Kessel spielt heuer zum ersten Mal die Buhlschaft in Hofmannsthals „Jedermann“ ab 27. 7., Regie: Christian Stückl.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2008)

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