Kostenloser öffentlicher Verkehr soll weniger Autoverkehr bringen, so die E-Control. Eine Idee, die man nicht sofort verwerfen sollte.
Die Idee ist auf den ersten Blick überzeugend. Der Steuerzahler zahlt den öffentlichen Verkehr zum Großteil. Wenn er ihn komplett zahlen würde, dann könnte man Busse, Züge und U-Bahnen künftig gratis anbieten. Dadurch würden mehr Leute ihre Autos stehen lassen und energieeffizient und umweltschonend mit den „Öffis“ unterwegs sein – so der Hintergedanke.
Der öffentliche Verkehr kann sich zwar schon bislang über Zuwächse freuen, die Steigerungen beim Individualverkehr liegen aber deutlich darüber. Selbst in Gegenden mit gut ausgebautem öffentlichen Netz fahren viele Menschen lieber mit dem Auto. Da man dieses ohnehin besitzt, werden im Vergleich nur die Benzinkosten gesehen. Und da liegt der öffentliche Verkehr trotz Rekordölpreisen oft noch darüber. Kostenlose Tickets könnten daran etwas ändern.
Allerdings spricht auch einiges gegen Gratis-Fahrscheine für alle. So gibt es in jedem Fall höhere Kosten für den Staat, die woanders eingespart oder durch höhere Steuern finanziert werden müssten. Auch wäre fraglich, ob die meist staatlichen Verkehrsbetriebe das Kundenservice dann nicht wieder kleinschreiben würden. Zudem sind bisherige Erfahrungen mit temporären Freifahrten nicht besonders berauschend ausgefallen.
Trotzdem sollte man die Idee als grundsätzlichen Denkanstoß ernst nehmen. So könnte vielleicht mit attraktiveren Preisen die Auslastung gesteigert und insgesamt die Kostendeckung der „Öffis“ erhöht werden. (Bericht: S. 20)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2008)