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Schläft man zu zweit gesünder?

AUFGEBLÄTTERT. In einem Buch über den Schlaf beleuchten die Autoren auch das Für und Wider des Alleine- und Zu-zweit-Schlafens. Frauen schlafen übrigens anders als Männer.

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf. Er dient der Erholung, dem Wachstum, der Krankheitsbekämpfung, dem Einspeichern von Lerninhalten. Der Schlaf dient aber auch der Psyche. Wir reflektieren die Erlebnisse des Tages.

Die Schlafforschung als eine sehr junge Wissenschaft sei kaum ihren Kinderschuhen entwachsen, beklagen die Autoren des Buches „Ein Bett für zwei. Unsere Schlafgewohnheiten neu erforscht“.

Sie haben sich auf die Suche nach vorhandenen Daten gemacht und beschreiben in dem Buch die Funktion des Schlafes und Faktoren, die die Schlafqualität beeinflussen. Die Themen werden für jedermann verständlich und auch durchaus unterhaltsam präsentiert.


Paar- und Wechselschläfer

Das Schlafbedürfnis kann schnell zu kurz kommen (Lärm, Licht). Wenn dieser Zustand über längere Zeit anhält, drohen neben Übermüdung und Gereiztheit auch ernsthafte Folgen für die Gesundheit. Schläft man alleine besser? Oder doch zu zweit? Oder – wie in Urzeiten und in weiten Gegenden der Welt auch heute noch – in Gruppen.

Die Autoren beleuchten ausführlich das Für und Wider einsamer Nächte und geteilter Betten aus verschiedenen Positionen. Die Hälfte der Österreicher schläft mit einem Partner im gemeinsamen Bett, während ein knappes Drittel ständig alleine schläft. Der Rest sind „Wechselschläfer“. Sie legen sich also einmal mit, einmal ohne ihren Partner ins Bett.


Schlaf geschlechtsspezifisch

Die Autoren werfen auch die Frage auf, ob der Paarschlaf überhaupt die optimale Schlafbedingung darstellt. Erforscht ist das Gebiet bisher nämlich wenig. Kein Wunder, ist das Doppelbett – kulturhistorisch betrachtet – doch eine relativ junge Erfindung der westlichen Kultur.

Die Autoren gehen dem Thema Schlaf geschlechtsspezifisch auf den Grund. Ihre Erkenntnis: Frauen schlafen anders als Männer. Ein bemerkenswertes Ergebnis der Untersuchungen: Obwohl es fast immer die Frauen sind, die den Paarschlaf als besonders angenehm beschreiben, sind meist sie es, die den Wunsch nach getrennten Schlafzimmern als erste äußern. Die Gründe: Sie kann nicht schlafen, weil Er schnarcht, oder die simple Erkenntnis, dass es sich alleine doch am besten schläft.


Mann will nicht alleine liegen

Er dagegen wehrt sich gegen die Trennung von Bett und Frau vehement. Die Befürchtung des „Was werden die anderen dazu sagen“, die vermeintliche öffentliche Blamage stehe dahinter, so die Autoren.

Einsam oder zweisam (sich zu betten) ist jedoch nur ein Aspekt des Buches. Beleuchtet wird das Thema Schlaf aus vielen Blickwinkeln. Historisch, kulturell, schlaf-medizinisch. Langschläfer werden beruhigt, indem sie erfahren, dass Albert Einstein mindestens zehn Stunden Schlaf brauchte. Auch Einstein war kein Faulpelz, denn ob jemand mehr oder weniger Schlaf braucht, sei erblich bedingt.

Auch dem so modernen Power-Napping wird auf den Grund gegangen und man erfährt auch hier: Wenn es um den Schlaf geht, ist nix so schnell fix. Je nach Breitengrad und Kultur legen sich die einen zur Siesta aufs Ohr, während andere dieses Verhalten verpönen.


Kinder ins elterliche Ehebett?

Die Österreicher können sich nicht so recht entscheiden. Immerhin legen sich 23 Prozent tagsüber hin. Und es werden mehr. Kein Wunder: Früher wurde nachts mehr geschlafen als heute: Um 1900 waren es noch neun Stunden im Schnitt, heute nur mehr rund sieben Stunden, Tendenz fallend.

Die Themen-Palette des Buches ist umfangreich: Was fördert den, was schadet dem gesunden Schlaf? Kinder ins elterliche Ehebett? Haustiere raus aus dem Bett? Zu guter Letzt gibt es noch Tipps für das geruhsame Schlafen zu zweit. (th)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2008)