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Elsner: „Man wollte mich hängen sehen“

(c) AP (Ronald Zak)
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Ex-Bawag-Chef ist über das Strafausmaß erschüttert. Die Karibikgeschäfte habe er nicht durchschaut.

Wien (red/APA).Die Urteilsverkündung am vergangenen Freitag hatte er noch mit stoischer Mine und ruhig über sich ergehen lassen – wenig später erhebt nun der frühere Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner via „profil“-Interview Vorwürfe gegen die Justiz. Elsner spricht von einer „Verschwörung“ gegen seine Person. Der „mediale Druck und die Vorverurteilung“, so der 73-Jährige, seien „einfach zu groß“ gewesen: „Man wollte mich hängen sehen.“


„Strafhöhe hat mich erschüttert“

Der Ex-Bawag-Chef war am Freitag wegen Untreue, Bilanzfälschung und schweren Betrugs zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden – das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil Elsner Rechtsmittel angemeldet hat. Die Strafhöhe „hat mich erschüttert“, sagt Elsner. „Neuneinhalb Jahre im Gefängnis zu bleiben, weil ein anderer Geld verspekuliert hat, halte ich für völlig überzogen.“ „Ein anderer“ – damit ist Wolfgang Flöttl gemeint, der zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde (davon zehn Monate unbedingt) und sich – als einziger der neun Angeklagten – Bedenkzeit erbeten hat. Alle anderen Angeklagten meldeten wie Elsner Rechtsmittel an.

Flöttl, so Elsner im Interview weiter, sei „der, der das Schlamassel verursacht hat“. Dieser „soll ein paar Monate hinter Gitter und darf ungestört nach Hause fahren“. Für ihn, Elsner, bedeuten neuneinhalb Jahre „wahrscheinlich lebenslänglich“. Elsner sitzt – als einziger der im Bawag-Prozess Angeklagten – seit fast eineinhalb Jahren in U-Haft in der Justizanstalt Josefstadt. Auf die verlustreichen Karibikgeschäfte angesprochen meint Elsner laut „profil“: Weder er noch seine Kollegen „hätten wirklich durchschaut, was Flöttl mit dem Geld macht“.

Seit Freitag ist der Bawag-Prozess (nach 117 Prozesstagen) zumindest in erster Instanz vorbei. Während sich ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer „froh“ zeigt, dass mit Prozessende nun ein „Teil der Vergangenheitsbewältigung“ des ÖGB vorbei sei (die Bawag stand jahrelang im Eigentum des ÖGB), kritisiert Martin Graf (FPÖ) die Urteile als „zu milde“. Graf war Vorsitzender des Banken- Untersuchungsausschusses im Parlament, der 2007 zu Ende ging. Ihm fehlt weiters „ein Angeklagter auf der Anklagebank“: Fritz Verzetnitsch, der frühere ÖGB-Präsident, da dieser, so Graf, zumindest seit 1999 von den Verlusten der Bawag gewusst habe und unter Verdacht der Beitragstäterschaft stehen müsste.


„SPÖ steht mit weißer Weste da“

Letzteres fordert auch ÖVP-Finanzsprecher Günter Stummvoll. Für ihn sind noch große Teile im Bawag-Skandal unerledigt. Der Refco-Komplex etwa, oder auch die Untersuchung jener Unterlagen, die im Keller von Walter Flöttl, Elsners Vorgänger, gefunden worden waren. Stummvoll fordert, dass der Verdacht der illegalen Finanzierung von ÖGB und SPÖ durch die Bawag untersucht werden müsse. Vorwürfe, die SPÖ-Finanzsprecher Kai Jan Krainer zurückweist. „Wochenlang“ habe die Polizei „im politischen Auftrag gegen die SPÖ ermittelt“. Herausgekommen sei „nichts. Die SPÖ steht mit weißer Weste da“. Die Kisten aus Flöttls Keller könne man ins Museum für Geschichte der Arbeiterbewegung überstellen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2008)