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Naschmarkt: Sanierung beginnt 2009

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Die geplante Ausweitung der Öffnungszeiten kommt nun doch nicht. 2009 startet die erste Sanierung in der Geschichte des Marktes. Sie soll fünf Jahre dauern, die Kosten im zweistelligen Millionen-Bereich.

Wien. Es tut sich einiges zwischen Rechter und Linker Wienzeile – zumindest bald. Ab 2009 wird auf dem Naschmarkt ober - wie unterirdisch so ziemlich alles erneuert, was es zu erneuern gibt: Und das ist ziemlich viel, wagt man sich doch an die erste Rundum-Sanierung in der fast hundertjährigen Geschichte des Markts.

Ein grobes Konzept dafür ist nun (mit einiger Verzögerung) fertig: 2009 starten die ersten Vorarbeiten, von denen die Besucher noch wenig merken sollen. Spätestens im Frühling 2010 muss man sich daran gewöhnen: Der Naschmarkt, eine Baustelle. Maximal ein Fünftel der Fläche soll gleichzeitig saniert werden, der Normalbetrieb so gut es geht gewährleistet sein. Möglicherweise werden Standler in Ersatzcontainer (am Flohmarkt-Areal) ausweichen müssen. Weil „wir nicht wissen, was uns erwartet“, wenn der Boden einmal aufgegraben ist (so Marktabteilungsleiter Andreas Weber) will man Bau-Verzögerungen schon jetzt nicht ausschließen.

Es tut sich also einiges zwischen Rechter und Linker Wienzeile – und doch bleibt eines beim Alten: Die Öffnungszeiten. Die werden nun – überraschend – doch nicht verlängert. Hatte es im März aus dem Marktamt geheißen, eine Ausweitung – wochentags von 23 auf 24 Uhr, samstags von 17 auf 18 Uhr – werde in „zwei bis drei Monaten“ in Kraft treten, ist davon nun in der aktuellen Marktordnungs-Novelle nichts zu lesen. Die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger war dagegen, weil sie nicht „auf die Schnelle“ etwas beschließen wollte, sagt ihre Sprecherin Elvira Franta.

Ganz neu ist die Idee freilich nicht – und längere Öffnungszeiten wären ohnehin nur eine Anpassung an den Ist-Zustand: Schon jetzt nehmen es viele Wirte mit der Sperrstunde nicht so genau, was das Marktamt weiß und toleriert. Trotz des „Neins“ dürfte sich demnach wenig ändern. Die Kontrollore werden auch in Zukunft „sicher nicht“ um 23.05 Uhr vor der Türe stehen, sagt Weber. Sondern „eine dreiviertel Stunde, Stunde“ danach. Anzeigen gebe es nur in Einzelfällen.

Vom Tisch sei die Öffnungszeiten-Debatte aber „sicher nicht“, sagt Franta, sondern soll im von Frauenberger gegründeten interfraktionellen Arbeitskreis behandelt werden. Ergebnisse des Märkte-Thinktanks werden 2009 erwartet.

Da wird der Naschmarkt langsam zur Baustelle. „General-Sanierung“ mag bedrohlich nach Veränderung klingen – das Erscheinungsbild des Marktes werde sich nicht ändern, verspricht Frauenberger. Darf es auch gar nicht: Der Naschmarkt steht unter Denkmalschutz.

Was sich sehr wohl ändern wird: Die Stände bekommen eine logischere Nummerierung und sollen so leichter gefunden werden. Etwa: „Standlinie drei, Nummer 20“. Dazu sollen Übersichtspläne die Orientierung erleichtern.

Kleine Maßnahmen – verglichen mit dem, was ab 2010 sonst noch kommt: Die Beleuchtung wird komplett ausgetauscht, wie auch Gas-, Wasser- und Stromleitungen, dazu entsteht ein neues Müllsystem. Zudem wird der Markt barrierefrei („Bisher waren Rollstuhlfahrer so gut wie ausgeschlossen“, so Mariahilfs Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann), was ebenso Änderungen in den schmalen Gängen (keine Blumentröge, Tafeln) mit sich bringt.


„Zweistelliger Millionenbereich“

Die Kosten, auch das weiß man jetzt, werden „im zweistelligen Millionenbereich“ sein, so Kaufmann, und von Stadt und Bezirk Mariahilf getragen. Wie viel Geld die Stadt beisteuert, wird noch verhandelt.

Im neuen „Leitbild“ finden sich auch Ideen der Standler: So ist nach wie vor die Überplattung der U4-Trasse ein Wunsch der Standler, für Frauenberger allerdings „illusionistisch und nicht finanzierbar“. Auch vermehrte Nacht-Patrouillen sind nicht geplant. Ganz zu schweigen vom Wunsch nach einer eigenen Polizeiwachstube für den Naschmarkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2008)