G8: Der Friedhof der leeren Versprechungen

(c) AP (Dmitry Astakhov)
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Die Staatschefs feiern die Klimaschutz-Erklärung. Doch im Schnitt erfüllen sie nur die Hälfte ihrer Gipfel-Ziele.

Toyako. Wie halten es die G8 mit dem Klimaschutz, was wird aus ihren Versprechungen? Vor einem Jahr in Heiligendamm war eine Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2050 noch ein „Ziel“, das sie „ernsthaft prüfen“ wollten. In Japan sprechen die führenden Industrienationen nun von einer „Vision“, die nächstes Jahr bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen „angenommen“ werden soll.

Man muss schon ein routinierter Klima-Diplomat wie Angela Merkel sein, um darin einen „deutlichen Fortschritt“ zu sehen. Die deutsche Kanzlerin erklärt ihre Euphorie so: „Dinge, um die wir damals schwer gerungen haben, sind heute vollkommen klar.“

Damals machten die USA ihre Zustimmung zu CO2-Zielen davon abhängig, dass sich auch die großen Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika zum Klimaschutz verpflichten. Diese Bedingung ist in Japan erfüllt: Die „G5“-Gruppe sitzt mit am Tisch. So will man die USA dazu bewegen, auch in Kopenhagen mit im Boot zu sein. Das wäre ein echter Fortschritt. Denn dort will man Ende 2009 das Nachfolgeabkommen für jenes Kyoto-Protokoll beschließen, das Washington nie unterzeichnet hat.

1000 neue AKW geplant?

Es wäre aber zu einfach, die USA damit weiterhin nur als Bremser und Verhinderer zu sehen. Sie sind zwar schwer zu einer verbindlichen Vereinbarung zu bewegen, aber was sie einmal unterschrieben haben, daran halten sie sich auch. Zu diesem Ergebnis kommt die „G8 Research Group“ an der Universität von Toronto in Kanada. Sie analysiert seit 1996, zu welchem Ausmaß die einzelnen Staaten ihre Versprechen auf den G8-Gipfeln auch wirklich erfüllen.

Die USA haben sich dabei vom Mittelfeld zu Musterschülern gemausert: Platz vier im historischen Schnitt, aber Platz eins mit 90 Prozent Zielerreichung bei den letzten beiden Gipfeln. Generell scheint auf Angelsachsen Verlass zu sein, denn Großbritannien und Kanada folgen im Ranking. Die traditionell besonders verlässlichen Deutschen sind hingegen ausgerechnet nach ihrem „Heimspiel“ in Heiligendamm auf den vierten Platz zurückgefallen.

Schlusslicht sind, historisch und aktuell, die Italiener. Nur zu 17 Prozent haben sie die Ziele von Heiligendamm erfüllt. Doch im Vergleich zu den fünf Prozent nach St. Petersburg 2006 ist selbst das schon ein Fortschritt. Premier Silvio Berlusconi wird es jedenfalls nicht leicht haben, das Vertrauen seiner Kollegen zu gewinnen. Derzeit verwirrt er noch die Welt mit der Aussage, die G8 würden 1000 neue Atomkraftwerke planen.

Auch zwischen den Gipfeln gibt es große Unterschiede. Das erfolgreichste Treffen fand 2000 in Okinawa statt, mit 78 Prozent Zielerreichung. Der größte Flop war 1997 in Denver mit 27 Prozent. Im Schnitt seit 1996 haben die G8 ihre feierlich verkündeten Ziele mit 49 Prozent nicht einmal zur Hälfte umgesetzt – ein unrühmliches Ergebnis für die wirtschaftliche Elite des Planeten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2008)

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